So gelingt der Umstieg auf vegan: Eure Fragen, meine Antworten.

So gelingt der Umstieg auf vegan: Eure Fragen, meine Antworten.

Vegan leben. Was für mich so selbstverständlich ist wie das Zähneputzen nach dem Essen, scheint für viele eine unüberwindbare Hürde zu sein. Darum wollte ich von euch in meinen Instagram Stories wissen: „Was hält euch eigentlich davon ab, auf eine vegane Lebensweise umzusteigen?“. Damit konnte ich in Erfahrung bringen, welche offenen Fragen ihr habt und wo ihr noch mehr Informationen und Unterstützung benötigt. Und hier ist er also, der Blogpost mit allen Antworten.

Vorweg: Ja, der Artikel ist lang geworden. Das rührt daher, dass ich gleich alle Aspekte beleuchten möchte: Ernährung, Gesundheit, Sozialleben, Gesellschaft und Kleidung. Beginnen wir gleich bei der Ernährung. Dazu möchte ich euch kurz erzählen, wie lange ich schon vegan lebe und wie es dazu gekommen ist. Wer dazu die ausführliche Variante lesen will, klickt sich hier auf meinen Blogpost „Warum bin ich Veganerin?“.

 

Wie lange lebe ich schon vegan?

Schon mit zarten drei Jahren traf ich von mir aus die Entscheidung, nie mehr Tiere essen zu wollen. Ich wuchs fortan als Vegetarierin auf und wurde – ganz zum Erstaunen meiner Verwandten – auch ohne Fleisch geschlagene 1,76 cm gross! 😉 Vegan wurde ich tatsächlich erst viele Jahre später. Inzwischen sind es fast 4 Jahre, in denen ich ohne jegliche tierische Produkte lebe.

Bis dahin war es ein langer Prozess. Ich war keine der Veganerinnen, die diesen Entschluss über Nacht fassten und direkt umsetzten. Dass ich aber irgendwann vegan leben wollte, wusste ich schon ziemlich bald nach dem Auszug aus dem Elternhaus mit 19 Jahren. Doch ich brauchte Zeit, mir Dinge wie Käse oder Quark abzugewöhnen, mich selbst umzuerziehen, mich zu informieren. Ich wollte verstehen und trotzdem nichts missen. Es war mir wichtig, meinen Körper weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen zu können. Und erst, als ich mir wirklich sicher war, dass ich in all diesen Punkten mit mir einig war, hat es geklappt. Ich konnte endlich vegan leben.

Wenn ich jetzt also diesen Blogpost verfasse, dann weiss ich genau, wie ihr euch fühlt und was euch beschäftigt. Und vielleicht wird dieser Beitrag alleine nicht ausreichen, um euch gänzlich überzeugen zu können. Wie schon erwähnt, habe ich auch zuerst sehr viel gelesen, mir Dokus angeschaut und mich informiert. Zeitweise war ich wie ein Schwamm, der alle nur möglichen Quellen aufsog und nicht mehr losliess. So lange, bis ich vollends überzeugt war, dass vegan zu leben der einzig richtige und gangbare Weg für mich ist. Deswegen ist mein allererster Tipp vorab: Informiert euch, tauscht euch mit Gleichgesinnten aus und bildet euch weiter.

 

1. Thema: Veganer Ersatz für Käse, Milch, Rahm & Co.

 

Käse: Wie komme ich davon los und wie ersetze ich ihn?

Mit Abstand am meisten erwähnt wurde in meiner Umfrage der Käse. Und ehrlich gesagt war bei mir das auch der letzte Knackpunkt. Ich konnte zwar auf Milch und Joghurt gut verzichten, bei Käse gelang es mir aber einfach nicht. Das hat auch einen Grund: Käse macht süchtig!

Die darin enthaltenen Casomorphine sind im Käse weit höher konzentriert als in der Milch (höherer Gehalt an Milchfett und Milchprotein). Durch diese Cosomorphine wird in der Natur die Bindung von Jungtieren an ihre Mutter gefördert. Zudem sättigt die Milch die Tiere nicht nur, sondern beruhigt sie auch. Auch Muttermilch enthält Casomorphine – allerdings in einer weit geringeren Dosis als Kuhmilch. Die Folge für uns? Wir wollen mehr davon.

Das zu wissen hilft uns aber natürlich nicht viel weiter, ausser dass wir eine Erklärung dafür haben, warum der Verzicht auf Käse nicht leicht ist. Deshalb stelle ich euch jetzt die besten Alternativen vor, die ich schon probiert habe und sage euch auch, wo ihr diese in der Schweiz findet:

Ersatz für Frischkäse:

  • New Roots, fermentiert (erhältlich als Ricotta natur und mit Kräutern + Knoblauch, findet ihr bei Coop und Alnatura)
  • Simply Streichkäse (Natur oder mit Kräutern, bei Coop)
  • Soyananda von Soyana (Natur, Knoblauch/Kräuter, Meerrettich oder mit Tomate, bei Alnatura und Bioläden)

Ersatz für Mozzarella:

  • Verys Mozzarella natur (auf Vollkornreisbasis, bei Coop)
  • Veganella von Soyana (natur, mit Basilikum oder geräuchert, bei Alnatura oder Bioläden)
  • Cashewella (natur, bei Migros)

Ersatz für Ziegenkäse:

  • Violife Greek White Block (wie Feta, bei Coop)
  • Soyananda Greek Style, fermentiert (Bioläden, Reformhaus)

Ersatz für Hartkäse:

  • Prosociano Ecke von Violife (wie Parmesan, bei Coop)
  • Free The Cow Aged Cheeze von New Roots (online oder bei ausgewählten Bioläden)
  • Simply V Scheibenkäse (bei Coop, allerdings eher geschmacklos)

 

Veganen Käse selbst herstellen

Wenn ihr euch die Plastikverpackung der Käsealternativen sparen möchtet, dann könnt ihr natürlich auch selbst „Käse“ herstellen. Das hat auch den schönen Vorteil, dass ihr genau wisst, was drin ist. Generell sind nämlich viele Ersatzprodukte sehr stark verarbeitet und daher nicht besonders gesund. Die grosse Ausnahme sind da alle Produkte von New Roots und Soyana. Die sind nicht nur biologisch, sondern enthalten eben auch keine Zusatzstoffe und sind erst noch fermentiert!

Gerne teile ich hier mein liebstes Rezept für einen fermentierten Cashewkäse mit euch. Ihr braucht:

  • 300 Gramm Cashewkerne
  • 2 probiotische Kapseln (gibt es in der Apotheke oder online)
  • 3/4 TL Knoblauchpulver
  • Saft einer 1/4 Zitrone
  • 3 EL Hefeflocken
  • etwas Salz
  1. Die Cashewkerne mindestens für 3 Stunden in Wasser einweichen und danach gut abspülen, abgiessen.

  2. Cashewkerne mit 60-70 ml kaltem Wasser im Mixer pürieren und auch die Kapel dazugeben (geht auch mit gutem Stabmixer).

  3. Die Masse in eine Schüssel füllen und mit einem frischen Küchentuch bei Zimmertemperatur für bis zu 48 h reifen lassen. Danach die Masse mit dem Knoblauchpulver, den Hefeflocken, dem Zitronensaft und Salz mischen. Zum Schluss dann die übrige Flüssigkeit ausdrücken (am besten in einem feinen und sauberen Tuch) und mindestens für 10 Stunden  abtropfen. Die Masse könnt ihr dann mit der Hand beliebig formen und mit Gewürzen oder frischen Kräutern garnieren (oder den Laib darin rollen). Serviert wird der Käse kalt und muss unbedingt im Kühlschrank aufbewahrt werden!

Tipp für die Ungeduldigen oder die schnelle Küche: Wenn ihr die schnelle Variante machen wollt, dann lasst einfach die Kapseln und das Reifen weg. Das ergibt auch einen sehr leckeren Aufstrich.

 

Milch: Welche Alternative ist die beste?

Auf das Thema Milch bin ich schon mehrmals eingegangen; hier auf dem Blog aber auch in unserem Podcast haben wir dazu bereits zwei Folgen hochgeladen. Darum verlinke ich euch entsprechend alle Seiten:

Um die wichtigsten Fragen trotzdem kurz zu beantworten:

Im Kaffee: Am ähnlichsten wie Milch ist ganz klar die Hafermilch, weil sie schön cremig ist und sich auch schäumen lässt. Am besten aufschlagbar ist klar die Oatly Barista. Ich mag aber auch die Alnatura Eigenmarke, die Coop Eigenmarke, die von Isola, Provamel oder Joya. Manchmal gibt es Hafermilch sogar frisch zu kaufen, dann wurde sie zuvor nicht erhitzt.

Generell: Milchalternativen lassen sich super einfach selbst herstellen. Dafür braucht ihr lediglich Nüsse, Haferflocken oder auch Reis, sowie ein Nussmilchbeutel oder ein sauberes Tuch. Ecosia hilft euch hier weiter, da gibt es unzählige Tutorials dazu im grossen weiten Netz da draussen! 🙂

So gelingt der perfekte pflanzliche Milchschaum (1x das Bild anklicken)! 🙂

 

Rahm: Wie bekomme ich eine leckere vegane Sauce hin?

Ich ersetze Rahm ganz oft durch Kokosmilch, Haferrahm oder Sojarahm. Auch lecker sind Saucen auf Nussbasis, hier eignen sich besonders eingeweichte und pürierte Cashewnüsse.

Gerne verlinke ich euch hier ein paar Rezepte, die ich selbst schon ausprobiert habe:

In den allermeisten Fällen koche ich selbst nicht nach Rezept. Ich verwende einfach, was ich gerade da habe. Meine einfachen und leckeren Rezepte teile ich auf Instagram in meinen Storyhighlights „Rezepte“ mit euch.

 

Hier geht’s zu meiner Senf-Tahini Sauce! 🙂

 

Joghurt selbst herstellen

In einem ausführlichen Blogpost beschreibe ich euch, wie wir zuhause veganen Joghurt selbst machen – mit und ohne Joghurtmaschine. Dafür bitte einmal hier entlang.

 

Eier ganz einfach ersetzen

Oft kam auch die Frage, wie man Eier für vegane Rezepte ersetzen kann.

Binden von Saucen und Gerichten: Gemahlene Leinsamen und Chiasamen weisen dieselbe Bindeeigenschaften auf wie Eier und können in veganen Fleischbällchen, Grünkernbratlingen und Burgern verwendet werden. Auch Johannisbrotkernmehl eignet sich als pflanzliches Verdickungs- und Bindemittel. Da Johannisbrotkernmehl auch dann Flüssigkeiten verdickt und bindet, wenn es nicht erhitzt wird, kann es sehr gut für kalte Speisen verwendet werden.

Backen ohne Eier: Da Leinsamen in Flüssigkeiten aufquellen, sollten sie gemahlen werden, bevor sie in Rezepten zum Einsatz kommen. Faustregel: Auf 1 EL Leinsamen kommen 3 EL Wasser. Das Ganze muss im Kühlschrank für mind. 15 min quellen und ersetzt 1 Ei. Chiasamen haben eine ähnliche Wirkung wie Leinsamen und müssen ebenfalls gemahlen werden. Sie machen sich gut für Kekse, da sie für eine weiche, aber zusammenhängende Konsistenz sorgen. Hier gilt das gleiche Mischungsverhältnis.

Eischnee aus Kichererbsen-Wasser: 

  • 100ml Kichererbsenwasser aus der Dose oder dem Glas
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 1/2 TL Johannisbrotkernmehl

 

Schmeckt auch vegan: Das Rührei aus Tofu!

 

Scrambled Tofu Rezept: Eine super leckere Alternative zu Rührei ist Scrambled Tofu. Dafür einfach etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und den Scrambled Tofu (Tofublock mit den Händen zerbröseln) darin gar braten. Würzen könnt ihr die Masse mit Salz, Pfeffer, etwas Kurkuma und Knoblauchpulver. Wer es besonders echt mag, kann noch Kala Namak dazugeben (das Rauchsalz schmeckt echt krass wie Ei, gibt es in der Migros als Gewürz). Auch lecker: Ich brate super gerne Tomaten und Frühlingszwiebeln mit an. Serviert wird das Ganze mit frischer Petersilie und Sauerteigbrot.

 

2. Thema: Gesund vegan leben, Nahrungsergänzungsmittel + Proteinquellen

Die Meinungen sind gespalten, wenn es um Nahrungsergänzungsmittel während einer veganen Diät geht. Viele vertreten die Meinung, dass pflanzliche Vollwertkost genügend Nährstoffe für unseren Körper liefert. Andere wiederum empfehlen unbedingt, Zusatzpräparate einzunehmen. Und was stimmt jetzt? Meiner Meinung nach ist es unabdingbar, jedes Jahr die Blutwerte testen zu lassen. So geht man auf Nummer sicher und weiss, ob es nun notwendig ist, zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen oder nicht. Besonders wichtig ist ein Bluttest nach der Umstellung auf eine vegane Ernährung.

Welche Nahrungsergänzungsmittel ich einnehme und warum, könnt ihr hier nachlesen. Ausserdem haben Roxy und ich dazu ebenfalls eine Podcastfolge aufgenommen. Ihr könnt sie euch hier anhören. Wer

Ich beziehe all meine Nahrungsergänzungsmittel von InnoNature. Mit dem Code aniahimsa10 bekommt ihr etwas Rabatt auf euren Einkauf (ich bekomme dafür nichts). Aktuell nehme ich B12 (dazu gibt es hier einen separaten Blogpost), D3 und K2 ein, ab und an ein paar Algenkapseln. Mehr brauche ich nicht! 🙂

 

Die besten pflanzliche Proteinquellen

Eine weitere Frage, die immer wieder auftaucht, ist diejenige der Proteinquellen. Gerne liste ich euch hier die besten pflanzlichen Eiweisse auf:

  • Quinoa (14g Eiweiss auf 100g)
  • Erdnüsse (21g Eiweiss auf 100g)
  • Tofu, Tempeh (17g Eiweiss auf 100g)
  • Linsen (24g Eiweiss auf 100g)
  • Hanf (50g Eiweiss auf 100g)
  • Sonnenblumenkerne (21g Eiweiss auf 100g)
  • Kichererbsen (19g Eiweiss auf 100g)
  • Bohnen (21g Eiweiss auf 100g)

Für den Anteil der zugeführten Kalorien, die aus Protein stammen sollten, gibt es Empfehlungen. Diese liegen bei etwa 10-15 Prozent. Die Wahrheit ist, dass du deinen Eiweissbedarf auch mit einer pflanzlichen Ernährung problemlos decken kannst – und das alles ganz ohne Proteinshakes! 🙂 Um das zu schaffen, müsst ihr aber weder ständig mit einer Nährwerttabelle herumlaufen noch eure Kalorien zählen. Solange ihr für Abwechslung auf dem Teller sorgt, ist alles im grünen Bereich.

Lange Zeit wurde Vegetariern und Veganer ausserdem empfohlen, bei jeder Mahlzeit verschiedene pflanzliche Proteinquellen miteinander zu kombinieren, damit sich Aminosäureprofile gegenseitig ergänzen. Inzwischen weiss man aber, dass das gar nicht notwendig ist. Der Körper kann auch dann Gewebe aufbauen, wenn er die dafür nötigen Aminosäuren nicht alle gleichzeitig, sondern nach und nach bekommt.

 

Grundnahrungsmittel im Vorratsschrank: Was muss rein?

Obwohl die vegane Ernährung immer bekannter und akzeptierter wird, bekomme ich ganz oft zu hören: Was kann man als Veganer überhaupt essen? Ist diese Ernährungsform nicht total langweilig? Dieser Blogpost soll aufzeigen, dass der vegane Speiseplan so bunt ist wie kein anderer und eben alles andere als eintönig. Ich verrate euch, was ich immer vorrätig zuhause habe und warum diese Lebensmittel gut für euch sind.

Lasst euch von meiner Liste gerne inspirieren, nutzt sie als Spickzettel und/oder schickt den Artikel gleich allen Nervensägen weiter, wenn sie mal wieder nicht wissen, was ihr denn überhaupt alles essen könnt. Wie auch immer: Ich wünsche euch viel Spass beim Stöbern in meiner virtuellen Speisekammer! 😉

 

Zum Blogpost: „Meine Must Haves in der Speisekammer“

 

Vegan abnehmen/zunehmen

Viele erleben bei der Umstellung ihrer Ernährung auf vegan, dass ihr Sättigungsgefühl nicht lange anhält und sie sich nahezu permanent hungrig fühlen. Das kann entweder zur Zu- oder Abnahme von Gewicht führen. Aber keine Angst: Das häufige Hungergefühl verschwindet, wenn ihr erst einmal lernt, was euer Körper braucht. In den meisten Fällen braucht er vor allem mehr Essen! Es gibt zwei Gründe für den grösseren Hunger: Mehr Nahrungsmittel mit geringer Kaloriendichte und die Umgewöhnung der Verdauungsorgane. Heisst: Vegane Lebensmittel haben per se weniger Kalorien, daher müsst ihr mehr davon essen. Hinzu kommt, dass der Körper sich erst an die vielen Nährstoffe gewöhnen muss.

Vor allem nach vielen Jahren mit industriellen tierischen Nahrungsmitteln sind die Verdauungsorgane mit gesundem und veganem Essen ein wenig überfordert. Die Gewöhnung an die Produkte der Lebensmittelindustrie  mit Geschmacksverstärker, Füllstoffe und Emulgatoren kann hungrig machen.

Gegen solchen Hunger ist ein Teller Pasta übrigens nicht immer die Lösung. Es braucht Kombinationen von eiweiss- und stärkehaltigen Speisen, denn die sättigen länger. Eine vegane Ernährung muss auch nicht zwangsläufig leicht und roh sein. Kocht deftig, wenn ihr das lieber mögt: Kartoffeln, Fleischalternativen und auch mit guten Fetten von Nüssen und hochwertigen Ölen.

Wenn ihr euch erst einmal umgewöhnt habt, dann macht es richtig viel Spass, sich vegan zu ernähren. Denn eines sei schon einmal verraten: Ihr könnt plötzlich viel grössere Mengen essen, ohne davon etwas zu merken! 🙂

 

3. Thema: Vegane Ernährung unterwegs und im Urlaub

Vorbereitung ist die halbe Miete. Ich will hier nichts schön reden und sage daher ganz klar: Vegan unterwegs ist nicht immer leicht. Es gibt aber inzwischen schon vielerort – gerade in Städten – tolle Möglichkeiten und Angebote. Aber wir kennen das alle: Kaum wird es etwas ländlicher ist vegan eben schon noch ein Fremdwort.

Vegan für unterwegs: Was mache ich da also? Nun: Ich plane im Voraus. Wenn ich weiss, dass ich einen ganzen Tag unterwegs bin, dann bringe ich mein Essen selbst mit. Ich mache mir entweder Overnight Oats oder nehme ein paar roh vegane Cookies und Bliss Balls als Snack zwischendurch mit. Gut eignen sich übrigens Aludosen, da diese besonders leicht sind. Ein belegten Brot könnt ihr euch in ein Wachstuch packen. Gut sind natürlich auch immer Knabbereien wie Nüsse, Bananen, ein Apfel, Karotten, usw.

Vegan mit in Restaurants: Mit Freunden essen gehen gestaltet sich als Veganer/in zwar manchmal etwas schwieriger, ist meistens aber gut lösbar. Wenn möglich, dann recherchiert doch selbst ein paar Restaurants, die für jeden von euch passen. Ideal sind asiatische Lokale, da findet man immer eine Option. Aber auch beim Inder oder Italiener bin ich noch immer fündig geworden. Meistens findet ihr dort auf der Karte bereits vegane Gerichte – und wenn nicht, können echt so ziemlich alle Gerichte „veganisiert“ werden. Redet mir den Leuten! 🙂

Wenn ich beispielsweise weiss, dass ich mit meiner Familie in einem Landgasthof essen werde, dann rufe ich auch gerne vorab an. Und zwar so, dass sich der Koch noch genügend Gedanken machen kann. Manchmal gibt es dann einen sehr uninspirierter Gemüseteller. Aber ich habe auch schon erlebt, dass sich das Küchenteam echt kreativ ausgetobt hat. Am besten macht ihr direkt ein paar Vorschläge, was ihr denn essen würdet. Keine Angst: Meistens ist das Restaurant sehr dankbar, dass ihr eure „Extrawurst“ ankündigt. Das ist alleweil einfacher, als wenn ihr dann vor Ort sagen müsst, dass ich von der bestehenden Karte nichts essen könnt!

 

4. Thema: Wie erkläre ich meinem Umfeld, dass ich vegan lebe?

Ganz oft habt ihr mich gefragt, wie er mit Kritik der Familie umgehen sollt oder wie ihr euren Angehören überhaupt beibringen könnt, dass ich fortan vegan leben werdet.

Wer vegan lebt, schwimmt immer gegen den Strom. Von aussen versucht euch jeder zu sagen, wie ungesund und gefährlich eine pflanzenbasierte Ernährung ist. Das kann schon manchmal ein Frust sein. Aber: Familie oder die Freunde reagieren wahrscheinlich so abgeneigt, weil eure Veränderung für so plötzlich kommt. Von eurem inneren Prozess haben sie nicht viel mitbekommen. Gib ihnen also Zeit, das erst einmal zu verstehen.

 

Tipps für den besseren Umgang mit Freunden und Familie:

  • Hab Geduld mit anderen und vergiss nicht, dass auch du vor einigen Wochen oder Monaten noch genauso unwissend und vielleicht sogar voreingenommen warst.
  • Missioniere nicht! Ich weiss, in diesem Moment, in dem man sich entscheidet, vegan zu leben, ist alles so Augen öffnend und man will es am liebsten der ganzen Welt mitteilen und rausschreien. Aber glaubt mir: Das ist der falsche Weg. Lieber mit gutem Beispiel vorangehen.
  • Erwartet nicht, dass alle Mitmenschen sofort verstehen. Erkläre ihnen geduldig, weshalb du dich vegan ernähren möchtest. Und: Redet mit ihnen! Und zwar mit allen, nicht nur mit den Freunden, die das schon verstehen werden. Auch mit den Eltern und Grosseltern. Denn ihr werdet nicht nur die Ernährung ändern, sondern nach und nach auch in Sachen Klamotten und Kosmetik umdenken. Wahrscheinlich verändert sich eure ganze Denkweise!
  • Ganz oft entstehen Sorgen aus Unwissen heraus. Die Eltern haben das Gefühl, man bekomme nicht alle Nährstoffe, etc. Sie meinen es nur gut, das dürft ihr nie vergessen. Zeigt ihnen, dass ihr informiert seid.
  • Informiert euch daher vorher gut über die vegane Ernährung. Es wird Fragen geben, viele davon werden kritisch sein. Da kann es nur richtig sein, gut Bescheid zu wissen.
  • Vielleicht hast du jemandem in deinem Umfeld, der schon vegan lebt und dich unterstützen kann? Dann frag diese Person um Hilfe.
  • Biete deiner Familie doch an, gerne auch einmal vegan für alle zu kochen. Das baut Ängste und Vorurteile ab.
  • Und last but not least: Be kind! Die vegane Lebensweise bringt auch mit sich, dass man Mitgefühl aufbringen kann. Nicht nur für die Tiere, sondern eben auch für die Menschen im Umfeld, die manchmal etwas länger brauchen, um es zu akzeptieren.

Chris hat dazu ürbigens ebenfalls einen tollen Gastbeitrag auf meinem Blog verfasst. Er trägt den schönen Titel: „Hilfe, meine Freundin ist Veganerin!“. Darin beschreibt er, wie er damals falsch reagiert hat auf meinen Entscheid und was er heute besser machen würde. Ausserdem hält er viele tolle Tipps für euch bereit und sagt euch, wie ihr am besten mit Freunden und Familie umgehen könnt, wenn ihr selbst vegan lebt (oder jemanden davon überzeugen wollt, das ebenfalls auszuprobieren)!

 

Chris hat ebenfalls ein paar Tipps für euch & teilt diese in seinem Gastbeitrag.

 

5. Thema: Wo finde ich vegane Kleidung?

Ich habe es oben schon kurz erwähnt: Wer sich für eine vegane Lebensweise entscheidet, wird sich früher oder später auch mit der Kleidung auseinandersetzen wollen. Das geht nämlich Hand in Hand. Wenn euch Tier- und Menschenrechte sowie der Schutz unserer Umwelt am Herzen liegen, führt daran kein Weg vorbei.

Vielleicht fragt ich euch:

Wieso soll ich faire Mode einkaufen?
Sind die Zustände in der Textilindustrie wirklich so schlimm?
Was kann ich tun, um etwas zu verändern?

  • Fair fashion Labels sind oft vegan oder sie bieten zumindest eine grosse Auswahl an Produkten an, die ohne tierische Materialien auskommen. Und wenn trotzdem Wolle oder Seide verwendet wird, dann so ethisch wie es geht.
  • Unsere Kleidung wird vorwiegend von jungen Frauen genäht. Sie stehen in aller Frühe auf und arbeiten den ganzen Tag, oftmals ohne richtige Pause und in stickigen Räumen. Das soll sich ändern. Diese Frauen haben es verdient, unter fairen und sicheren Konditionen zu arbeiten und dafür einen anständigen Lohn zu bekommen. Ich denke, dass wir darüber gar nicht diskutieren sollten.
  • Die Fast Fashion Industrie hat einen gigantischen ökologischen Fussabdruck zu verantworten. Billige Klamotten mit kurzer Tragbarkeit stimuliert den Massenkonsum und sorgt dafür, das unnötig viele Ressourcen verschwendet werden. Ohne Fair Trade Verträge können ausländische Firmen ohne Rücksicht auf lokale Angestellte und Unternehmen schalten und walten wie sie wollen. Daran zerbrechen nicht nur Menschen, es leidet auch die Umwelt unter enormen Belastungen wie Chemikalien, Giftstoffen, zu hohem Wasserverbrauch, etc.
  • Wusstet ihr, dass unsere Haut das grösste Organ ist? Oft gerät in Vergessenheit, dass wir darüber sehr viel mehr aufnehmen, als wir denken. Indem wir synthetische oder giftig gefärbte Kleidung tragen, schleusen wir gefährliche Stoffe in unser System ein. Fair produzierte Ware wird schonender verarbeitet und man greift vor allem auf natürliche Rohstoffe wie Bio-Baumwolle zurück.
  • Ich werde oft gefragt, ob faire Mode nicht extrem teuer ist. Die Antwort ist: Es gibt sowohl günstige als auch teurere Labels. Generell ist es sicher so, dass das einzelne Stück etwas mehr kostet als in einem H&M. Aber ganz ehrlich: Lieber kauft man sich ein Teil bewusst und hat länger etwas davon, als wenn man sich drei Shirts kauft, die nach dem fünften Waschgang nach Nachschub schreien. Mein Motto hier: Buy less, choose well, make it last!

Eine Liste mit fairen und veganen Labels findet ihr hier!

 

Informationen, Bücher und Dokumentation zum Thema

Da dieser Blogpost nicht abschliessend ist und es generell einfach Sinn macht, sich bei verschiedenen Quellen Informationen einzuholen, möchte ich euch hier spannende Artikel, Bücher und Dokus verlinken, die mir dabei geholfen haben, den Umstieg hin zu einer veganen Lebensweise zu schaffen.

Youtube-Kanäle:

Wissenschaftliche Bücher:

Interviews: 

Filme/Dokus:

  • Cowspiracy
  • Forks over Knives
  • Earthlings
  • Food, inc.
  • More than honey

Vereine/Spenden/Demos:

Die Liste ist schier endlos. Am besten fragt ihr Ecosia selbst, haltet Augen und Ohren offen und informiert euch über ganz viele verschiedene Kanäle. Auch Instagram ist da eine ganz grosse Bereicherung und ein Ort der Inspiration. Ich selbst konnte mich über die Plattform mit ganz vielen gleichgesinnten Menschen vernetzen. Und das ist dann auch gleich der letzte Tipp, den ich euch mit auf den Weg geben möchte:

Sucht euch Gleichgesinnte in eurer Umgebung und vernetzt euch. Das hilf vor allem in der Anfangsphase. Ihr fühlt euch dann weniger alleine und habt jemanden, der an den gleichen Enden ansteht wie ihr. Natürlich dürft ihr euch auch jederzeit an mich wenden, wenn weitere Fragen auftauchen. Am besten packt ihr die gleich unten in die Kommentare.

Alles Liebe, Anina



7 thoughts on “So gelingt der Umstieg auf vegan: Eure Fragen, meine Antworten.”

  • Liebe Anina, danke für diesen tollen umfangreichen Beitrag! Ich weiss deine Arbeit sehr zu schätzen. 🙂
    Ich werde ihn sicher mal an ein paar Freunde weiterleiten

    Mir persönlich fällt es am schwersten, Zeit zum Kochen zu finden. Ich koche gerne, aber egal ob vegan oder nicht, mir fehlt sehr oft einfach die Zeit dafür. Die einzige Wahl, die ich dann habe, ist etwas Sättigendes in der Cafeteria zu kaufen. Wenn man wenig Zeit hat oder nicht gut voraus planen konnte, dann bliebt einem oft keine andere Wahl.

  • Liebe Monika. Danke für dein liebes Kompliment! 🙂 Ich verstehe, dass du im Alltag wenig Zeit hast, dir frisch etwas zu kochen und es spricht ja auch nichts dagegen, ab und an etwas in der Cafeteria zu kaufen. Allerdings könntest du ja auch einmal einen Nachmittag vorkochen und dir etwas einfrieren? Oder dir zu Beginn der Woche Staples wie Reis, Quinoa, etc. vorkochen – dann musst du nur noch ein paar wenige frische Dinge dazugeben. Es gibt ausserdem sogar gesunde Gerichte – sei es nur ein Müesli oder ein Salat – die innert nur 10 Minuten gezaubert sind. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! So viel Zeit muss einfach sein, mir ist das nur schon meine Gesundheit wert! 🙂 Alles Liebe, Anina

    • Liebe Anina

      Ich versuche durchaus im Voraus zu kochen, allerdings verleidet es mir oft, das Gleiche 5 Tage hintereinander zu essen und für 5 Tage vorzukochen beansprucht das halbe Wochenende, wenn ich etwas Abwechslung hineinbringen will. Mein Gefrierfach ist ausserdem zu klein dafür und Reis sollte man nicht so lange gekocht lagern, davon kann man Lebensmittelvergiftungen bekommen.
      Mein Müslli am Morgen lasse ich mir nie nehmen, das wandle ich auch immer etwas ab. 🙂 Salat nehme ich auch oft mit, am liebsten ganz vielfältigen, wenn ich abends noch die Kraft zum Rüsten habe und weiss, dass ich untertags einen Kühlschrank verwenden kann.

      Ich weiss deine Hinweise sehr zu schätzen, allerdings ist Zeit wohl der grösste Luxus den man haben kann und davon habe ich höchsten am Wochenende etwas, selbst da muss ich noch viel anderes erledigen. Ich hoffe, dass sich das bald ändert.

      Glücklicherweise hat unsere Cafeteria ein grosses Buffet, da nehme ich mir oft viel Gemüse. 🙂 Natürlich hoffe ich in Zukunft, dass ich mehr Zeit haben werde und damit auch viel Geld sparen kann, das Buffet kostet leider mehr als die anderen Gerichte.

      Ich wollte damit nur sagen, dass man auch mit einem Willen manchmal keine Wahl hat und es doch nicht immer möglich ist, so zu leben, wie man es gerne tun würde.

      Liebe Grüsse, Monika

  • Hi Ania,

    vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag! Ich beschäftige mich seit einer Weile mit dem Gedanken mich vegan zu ernähren. Ich nehme zwar nur noch wenige tierische Produkte zu mir (Fleisch usw. gar nicht), aber manchmal fällt es noch schwer. Daher habe ich in deinem Beitrag ein paar tolle Tipps gefunden.
    Vielleicht magst du bei den Filmen noch „Dominion“ hinzufügen. Das war für mich ein absoluter Augenöffner und man kann ihn frei über die Website schauen: https://www.dominionmovement.com/

    Liebe Grüße
    Louisa

  • Vielen Dank für den tollen Beitrag! Ich ernähre mich erst seit ein paar Wochen vegan. Davor habe ich mich vegetarisch ernährt, ich habe dann nach und nach tierische Produkte weggelassen. Mittlerweile habe ich genug Rezepte intus, welche mir die Umstellung erleichtert haben. Zur Zeit beschäftige ich mich noch vermehrt damit, welche Nahrungseränzungsmittel ich denn nun eigentlich wirklich benötige. Deswegen habe ich mir den Vitamin B-Komplex von https://www.baerbel-drexel.de/nahrungsergaenzungsmittel/vitamine-kaufen bestellt. In ein paar Wochen werde ich mir noch ein Blutbild erstellen lassen.
    Alles Liebe,
    Conny

  • Hallo Anina,
    ich wollte dir mal Danke sagen. Du bist eine der Personen die bei mir wirklich Einfluss haben. Ich finde es toll wie du dir so viel Mühe gibst uns die rein Pflanzliche Lebensweise näher zu bringen. Dank dir und einem Video von Peta in Bezug auf Tierhaltung bin ich Veganer geworden und ja von heut auf morgen. Aber dann hatte ich doch immer mal wieder Rückschritte, weil mein Mann und meine Kinder nicht nur pflanzlich essen ertappt ich mich bei kleinen naschereien von Fleisch oder Milchprodukten. Danach fühlte ich mich immer schlecht das war bei der rein pflanzlichen Ernährung aber nicht und durch dich und ein paar andere konnte ich aber lernen mich richtig zu ernähren und dran zu bleiben. Jetzt gibt es auf Netflix auch einen neuen Film er heißt TheGameChanger. Du musst ihn dir mal ansehen. Das hat tatsächlich auch meinen Mann überzeugt und er möchte jetzt auch den Schritt wagen, natürlich erstmal Schritt für Schritt. Ich freue mich so. Noch mal danke dir und weiter so. Du tust so viel recherchieren und uns alles so super zusammenfassen dafür bin ich dir echt sehr dankbar 💕

    Liebes grüßle nicole 🌻

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