Wie ungesund ist Milch? Die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft mit Quellen

Wie ungesund ist Milch? Die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft mit Quellen

Milch liefert Proteine, soll die Knochen stärken und gilt als gesund. Aber greift sie auch in unser Erbgut ein? Und was passiert dann eigentlich im Körper, wenn wir sie trinken? Kritiker fürchten auch, das Getränk fördere die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes und Krebs. Was ist da dran? Und wie können wir den Calciumbedarf pflanzlich decken, wenn wir auf Milch verzichten möchten? In der neuen Folge des Chapped Lips Podcast stellen wir verschiedene Studienergebnisse vor und beleuchten auch, ob es ethisch korrekt ist, Kuhmilch zu trinken.

Dieser Blogpost dient vor allem als Nachschlagewerk für jene, die nach dem Hören unserer Podcastfolge zum Thema ihre Recherche gerne vertiefen möchten. Alle Quellen zu den jeweiligen Aussagen sind hier direkt verlinkt.

 

Vertragen Menschen eigentlich Kuhmilch?

Hierzulande grösstenteils schon. Vor etwa 7500 Jahren kam es zu einem Gendefekt und unser Körper lernte, Milchzucker zu verdauen. Laut Swiss Milk vertragen heute 60% der Menschen in Mitteleuropa Kuhmilch. In Südeuropa sind es nur noch 20% und in anderen Ländern und Regionen der Welt, wie zb. Asien, sind es viel weniger.

ABER: Dieser Gendefekt brachte den Menschen tatsächlich in Hungersnöten Vorteile. Allerdings hat die heutige Industriemilch überzüchteter Milchkühe kaum noch etwas mit der Milch von damals zu tun. Hungern müssen wir heute hierzulande glücklicherweise kaum mehr, weshalb wir nicht mehr auf das sehr problematische Nahrungsmittel Kuhmilch zurückgreifen müssen.

 

Was passiert im Körper, wenn ich Milch trinke? 

Milch aktiviert im Körper einen bestimmten Signalweg, der mit der Entstehung von Akne, Arterienverkalkung, Diabetes, Übergewicht, Krebs und neurodegenerativen Krankheiten in Verbindung gebracht wird.

Das passiert vor allem durch einige in der Milch besonders vorkommende Proteinbausteine sowie eben die MicroRNA. Dadurch steigert sich dann die Konzentration des Wachstumsfaktors IGF-1, der unter anderem in Kindheit und Jugend das Wachstum steuert.

 

Heisst das, Milch macht tatsächlich gross und stark?

Könnte man so sagen, ja. Milch fördert aber leider eben nicht nur das normale Zellwachstum, sondern füttert auch die Krebszellen. Dr. Bodo Melnik von der Universität Osnabrück. sieht Milch deshalb als Stimulator für Krebs. Der hohe Proteingehalt in Kuhmilch bzw. die Aktivierung bestimmter Enzyme schalte die Zelle auf „Wachstum“, was evolutionär für die Aufzucht von Kälbchen gedacht sei, nicht aber für den Menschen. Und tatsächlich gibt es schon Studien, die belegen: Milchprodukte erhöhen insbesondere das Risiko von Prostatakrebs!

Und noch ein weiterer Effekt ist zu befürchten. Da in Milch inzwischen rund 250 microRNA mit genregulativer Wirkung gefunden wurden, könnte durch den Milchkonsum die Genetik des Menschen verändert werden. Hierzu ist die Studienlage aber noch zu dünn, um die gesundheitlichen Auswirkungen beurteilen zu können.

 

Gibt es positive Aspekte zum Milchkonsum zu berichten?

Milchkonsum erhöht nach aktuellem Wissenstand das Risiko von Diabetes Typ-2 nicht, sondern hat sogar einen gewissen schützenden Effekt. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht es ähnlich aus. Eine Ausnahme ist Prostata- und Brustkrebs: Hier scheint Milchkonsum das Risiko etwas zu erhöhen. Das berichtet übrigens der World Cancer Research Fund.

Wenn wir schon bei Studien sind. Schauen wir uns doch einmal die neusten Forschungsergebnisse dazu an. Die zeigen nämlich auch noch ein anderes Bild: Eine schwedische Studie zeigte so, dass Menschen mit Laktoseintoleranz, die Milchprodukte meiden müssen, seltener an Brust-, Eierstock- und Lungenkrebs erkranken – auch im direkten Vergleich mit nicht von der Unverträglichkeit betroffenen Angehörigen!

 

Beeinflusst Milch unsere Gene?

Und auch die Ergebnisse mit dem Einfluss auf die menschlichen Zellen durch MicroRNAs ist interessant. Was genau die mit der Nahrung aufgenommenen MicroRNAs in menschlichen Zellen bewirken, lässt sich aber bisher nicht sagen. Die vielen verschiedenen in der Milch enthaltenen MicroRNAs könnten aber mehr als 11.000 Gene beeinflussen, schreiben Zempleni und Kollegen. Ein Mensch hat weniger als 25.000 Gene.

 

Vielen Menschen trinken ja Milch für die Knochen. Bringt das etwas?

Tatsächlich liegen heute Erkenntnisse vor, die gegen Milch (Ausnahme ist Muttermilch) sprechen. Eine Erklärung hängt mit dem Säure-Basen-Haushalt zusammen. Lange dachte man, dass Milch durch ihren Kalziumgehalt die Knochen schützt. Heute wissen wir, dass es genau umgekehrt ist: Aufgrund der Säure, die Milch im Körper erzeugt, übersteigt der Kalziumabfluss bei Weitem das Kalzium, das man zuführt. Milchprodukte haben also eine negative Kalziumbilanz und sind keine Osteoporosetherapie.

 

Ist Rohmilch besser für uns als H-Milch?

Man muss sich das so vorstellen: Milch ist eine lebendige Flüssigkeit. In ihr schwimmen zahlreiche Immunzellen, Bakterien, aktive Enzyme. In Rohmilch können sich daher auch Krankheitserreger leicht vermehren.

Wer anfällig ist – etwa Schwangere, Kleinkinder und chronisch Kranke –, sollte auf den Genuss von Rohmilch und daraus gewonnenem Käse verzichten. Experten raten zudem, Rohmilch vom Bauern nur abgekocht zu trinken.

 

Ist es ethisch korrekt, Milch zu trinken?

Wir haben euch über Instagramauch gefragt kürzlich, warum ihr Milch trinkt. Ganz oft ist dann die Aussage gekommen: Kühe geben ja sowieso Milch. Das stimmt leider so überhaupt nicht. Kühe geben nur Milch, wenn sie immer wieder Kälber auf die Welt bringen. Die Kühe werden künstlich geschwängert, sobald sie ein Kalb bekommen haben. Das Baby wird ihnen dann jeweils weggenommen. Auch auf Bio-Höfen (hier nachzulesen). Das ist ganz vielen Konsumenten nicht bewusst.

Vielen von euch haben dann auch gefragt, ob bio nicht besser ist, was die Tierhaltung angeht. Der grosse Unterschied von bio zu konventionell liegt aber nicht in der Haltung der Tiere, sondern im Futter. Die Fütterung mit bevorzugt betriebseigenem Bio-Futter garantiert eine gesunde und natürliche Tierernährung. So erhalten zum Beispiel die Wiederkäuer zu 90 % Raufutter – also Gras, Heu und Kräuter, wie es ihrer artgemässen Ernährung entspricht. Die Käber werden aber auch schon am ersten Tag von der Mutter getrennt, bio hin oder her.

 

Ist auf Biohöfen alles anders?

In diesem Punkt unterscheiden sich Bio-Betriebe und Nicht-Bio-Betriebe kaum. Das Kalb wird mit anderen Kälbern zusammen gehalten und bekommt Muttermilch über einen Nuckeleimer. Derweil wird die Kuh gemolken und so Milch als Nahrungsmittel gewonnen. Es gibt einige Bio-Betriebe, die ihre Jungtiere bei der Mutter lassen und die Mutterkühe dennoch melken. Dieses Haltungssystem ist aber sehr anspruchsvoll für die Tierhalter und wird in Projekten untersucht.

Verbreitet hingegen ist die Mutterkuhhaltung, bei der das Kalb bei der Mutter aufwächst. Dieses System dient aber ausschliesslich der Fleischproduktion!

Ein grundsätzliches Anbindeverbot gibt es übrigens auch nicht im Bio-Bereich. Im Gegenteil: Die Anbindehaltung von Rindern ist auf Kleinbetrieben “unbefristet” zulässig, das heisst: auf unbestimmte Zeit hinaus. In Deutschland betrifft das immerhin einen Drittel der ökologisch gehaltenen Milchkühe. Damit verfügen sie gerade einmal über eine Fläche, auf der Hinlegen und Aufstehen die einzigen Bewegungen sind, die diese Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten ausführen können.

 

In der Podcastfolge zum Thema beantworten wir euch ausserdem folgende Fragen:

  • Welche Milchalternative schmeckt der Kuhmilch am ähnlichsten?
  • Wie seid ihr von Milchprodukten weg gekommen?
  • Warum ist die Milchindustrie so schlimm wie die Fleischindustrie?
  • Welche pflanzlichen Lebensmittel enthalten Calcium?
  • In welchen Produkten ist Milch versteckt?
  • Sind Milchprodukte genauso schädlich wie Milch?
  • Warum wird Milch nicht mehr so schnell schlecht?

 

Hier geht’s direkt zur Folge auf Spotify (nur mit Abo) und auf SoundCloud (ohne Anmeldung hörbar). In einer anderen Folge berichteten wir ausserdem über die ökologischen Auswirkungen von Kuhmilch und haben recherchiert, welche Alternativen für unser Klima am sinnvollsten sind. Den Blogbeitrag dazu findet ihr hier.

 



3 thoughts on “Wie ungesund ist Milch? Die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft mit Quellen”

  • So ein interessanter Beitrag!
    Einfach so krass wie viele Menschen Milch trinken und Joghurt und Quark essen und glauben das wäre gesund und proteinreich etc.,.
    Hab den Post erstmal an mehrere Freunde geschickt, die ganzen Studien helfen hoffentlich dabei zu überzeugen weil mir fällt das in Diskussionen manchmal schwer mcih dann an alles zu erinnern..

    Liebe Grüße
    Pauline <3

    https://mind-wanderer.com/2019/04/29/what-i-eat-on-a-lazy-rainy-sunday-in-australia/

  • Ein super interessanter Beitrag! Die Fakten sind einfach krass und sprechen mal wieder eindeutig für den Veganismus. Eigentlich echt schlimm, dass wir uns seit Jahrzehnten so von der „Milchindurstrie“ beeinflussen lassen und viele Menschen denen bis heute mehr glauben als wissenschaftlichen Studien!
    Daher ist es umso wichtiger, dass du/ wir davon berichten.
    Liebe Grüße, Christine
    https://uponmylife.de

  • Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Besonders interessant – und was ich vorher nicht wusste – fand ich, dass das Kalzium in Milch unseren Knochen gar nichts bringt aufgrund der hohen Säure der Milch. Falls du die Studie noch im Kopf hast, die diesen Zusammenhang zeigt, würde ich mich sehr freuen diese zu lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .