Warum Fasten mehr ist, als der Verzicht auf Essen: Ein ehrliches Fazit nach dem Selbstversuch

Warum Fasten mehr ist, als der Verzicht auf Essen: Ein ehrliches Fazit nach dem Selbstversuch

„Willst du wirklich eine Saftkur machen?“, schrieb mir eine gute Freundin, als ich vor Kurzem angekündigt hatte, 5 Tage lang zu fasten. Sie konnte nicht verstehen, warum ich das freiwillig mache. Tatsächlich aber gibt es ganz viele gute Gründe, für ein paar Tage auf feste Nahrung zu verzichten. Was ich mir davon erhoffte und wie es mir beim Fasten ergangen ist, verrate ich euch in diesem Blogpost? Seid gespannt auf mein ganz ehrliches Fazit, mit allen Auf uns Abs, – ungeschönigt und unzensiert.

*Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit Biotta Schweiz entstanden.

 

Fasten ist in allen Kulturen und Religionen dieser Welt verbreitet. Damals wie heute gibt es unterschiedliche Beweggründe. Die alten Griechen und Ägypter fasteten für die Gesundheit und erhofften sich, dadurch ihre Sinne schärfen zu können. Gläubige hingegen fasteten, um Gott näher zu sein. Heute gibt es im Christentum die vorösterliche Fastenzeit von 40 Tagen. Muslime fasten während dem Ramadan einen ganzen Monat lang – immer von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Essen ist nur nachts erlaubt. Im Buddhismus und Hinduismus existieren keine fest geschriebenen Fastenregeln. Oft wird vor grossen Festen gefastet. Allerdings leben Mönche  einige Wochen im Jahr in Askese und verzichten auf alles, was sie nicht unbedingt zum Überleben brauchen.

 

Saftfasten: Darum ist meine letzte Kur gescheitert

Es gibt es aber auch für weniger gläubige Menschen viele Gründe, die für das Fasten sprechen. Manchen geht es darum ihrem Körper eine Pause zu gönnen, zu entschlacken oder ein paar Pfunde zu verlieren. Darum geht es mir nicht. Ich bin interessiert daran am eigenen Körper zu erfahren, wie sich Fasten auf den Geist auswirkt. Da ich seit zwei Jahren Intermittent Fasting mache – 16 Stunden Fasten und 8 Stunden Essen – weiss ich schon, dass sich der Verzicht auf Nahrung über einen gewissen Zeitraum positiv auf die Kreativität und Konzentration auswirken kann. Zudem bin ich davon überzeugt, dass es durchaus gesund ist, wenn der Körper Zeit hat, sich selbst zu heilen. Wer dazu gerne mehr lesen möchte, dem sei das Buch „Intervallfasten“ von Petra Bracht ans Herz gelegt. Die Ärztin belegt mit wissenschaftlichen Quellen, welche Vorteile das Fasten für unsere Gesundheit hat.

Wie schon kurz angesprochen, gibt es ganz viele verschiedene Fasten-Methoden. Heilfasten, Wasserfasten und eben Saftfasten. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Zum einen, weil ich mir eine reine Wasserkur (noch) nicht zutraue und zum anderen, weil ich Säfte geschmacklich liebe und sie auch so gerne in meinen täglichen Speiseplan integriere.

 

5 Tage ohne feste Nahrung: Es geht los!

Die Vorbereitung: Die Biotta Wellnesswoche sieht vor, noch vor dem eigentlichen Beginn des Fastens, einen Vorbereitungstag einzulegen. Das macht Sinn: Dadurch kann sich der Körper schon einmal auf die kommenden Tage einstimmen. An diesem Tag wird viel Tee und Wasser und auch schon etwas Saft getrunken. Leichte, feste Nahrung ist aber erlaubt.

Fazit dieses Tages: Easy! Ich würde euch nur empfehlen, schon früher auf Kaffee zu verzichten. Wenn ihr wie ich eure 2-4 Tassen am Tag trinkt, reicht ein Tag Entzug vor der Kur nicht aus. Aber dazu später mehr.

Die Saftkur: Fünf Tage ohne feste Nahrung. Wow. Meine letzte Saftkur dauerte nur drei Tage und ich kann mich gut daran erinnern, dass es mir nicht leicht fiel, vor allem mit dem Kreislauf. Wenn ich ehrlich bin, weiss ich heute aber, warum es soweit kommen musste. Ich hatte das Gefühl, mein normales Pensum an Sport und Arbeit gleichermassen durchziehen zu können. Kein Wunder, dass ich damals gescheitert bin.

Dieses Mal – so war ich mir sicher – würde ich alles anders angehen. Vielleicht fühlte es sich auch schon einfach anders an, weil ich mit ganz anderen Zielen in die Woche startete. Mein Ziel war es nicht, dadurch abzunehmen oder zu entschlacken. Nein: Ich wollte erfahren wie es ist, mit weniger auszukommen, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Und ich wollte mir Ruhe gönnen. Stress redzuzieren. Nicht nur meinem Darm, sondern auch mir: Mehr Zeit für mich.

Tag 1-3: Das Mindset ist die halbe Miete, wenn es ums Fasten geht. Ich hatte nicht gleich viel Energie wie sonst und verspürte nicht einmal die Lust, Laufen zu gehen oder ein HIIT zu machen. Viel mehr war mir nach Literweise Tee, heissen Duschen und viel Ruhe und Schlaf. Und wisst ihr was? Genau das habe ich mir gegönnt. In der ersten Nacht habe ich geschlagene 12 Stunden durchgeschlafen, das hat mein Körper gebraucht.

Lustigerweise sind in all den ersten drei Tagen keine Kopfschmerzen aufgetreten. Davon hattet ihr mich am meisten gewarnt. Wahrscheinlich weil ihr wisst, wie gerne ich Kaffee trinke, oder? Zugegeben: Es war nicht immer leicht. Aber weniger aufgrund der Schmerzen. Viel schlimmer war es, wenn sich Chris morgens eine heisse Tasse frischen Kaffee braute und mir der süsslich herbe Duft der gerösteten Bohnen in die Nase stieg… Doch ich konnte widerstehen.

Am zweiten Tag bin ich abends sogar eine Stunde ins Yoga gegangen. Das tat gut! Und ich konnte die Gleichgewichtsübungen fast besser ausführen als sonst, wenn ich nicht fastete. Ausserdem war ich innerlich ruhiger, ausgeglichener, mehr bei mir. Irgendwie angekommen.

Tag 4+5: Am vierten Tag bin ich mit einem solchen Hunger aufgewacht, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Da half weder Yoga noch Meditation. Mein ganzer Körper und auch mein Kopf konnten nur an eines denken: Essen! Ich hielt durch – zumindest am Morgen.

Dann aber kam dann Schwindel dazu. Dieser wurde so schlimm, dass ich mich immer wieder hinsetzen musste. Ich konnte nicht mehr: Ich musste einfach etwas essen, ob ich wollte oder nicht. Im ersten Moment fühlte ich mich so schlecht, dass ich am liebsten gleich im Boden versunken wäre. Meine Gedanken kreisten: Nein, was mache ich jetzt!, schrie ich innerlich. Ich habe versagt. Wie sage ich es euch? Was werdet ihr wohl denken? Soll ich es euch überhaupt sagen?

 

Das Aus nach vier Tagen: Was ist passiert?

Habe ich also versagt? Die Saftkur schon nicht durchgestanden? Wenn ihr so wollt, ja. Ich sehe es aber anders: Ich habe es geschafft, ganze vier Tage zu fasten. Darauf bin ich stolz. Ich habe in dieser Zeit extrem viel über mich gelernt, meinen Körper gespürt und mein Mindset gestärkt. Trotzdem ist es mir wichtig, es nicht so aussehen zu lassen, als wäre Fasten das einfachste der Welt. Denn: Es braucht sowohl euren Körper als auch euren Kopf – und nur einen der beiden dabei zu haben reicht nicht, um eine solche Kur durchziehen zu können.

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich euch das erklären soll, warum ich es nicht durchgezogen habe. Im ersten Moment war es mir extrem peinlich, versagt zu haben. Dann aber wurde mir klar, dass ich genau daraus lernen kann. Und dass ich das Gelernte unbedingt an euch weitergeben möchte.

Obwohl ich mir viel Ruhe gegönnt habe – mehr als sonst – hatte ich eine sehr stressige und volle Woche. Ich hatte diverse Meetings ausser Haus und einen sportlichen Drehtag. Ausserdem musste ich diverse Rezepte kochen und fotografieren, was den Verzicht auf feste Nahrung nicht einfach macht. Notiz an mich selbst und auch an euch: Wenn ihr eine Fastenwoche macht, dann nicht unüberlegt. Plant das wirklich ein. Am besten in einer Zeit, in der ihr wirklich Zeit habt und zur Ruhe kommen könnt.

Übrigens: Ich habe auch nach dem „Unterbruch/Abbruch“ die Säfte noch fleissig weiter getrunken. Sie waren eine ideale Ergänzung zum langsamen Wiedereinstieg mit fester Nahrung für die letzten beiden Tage. Mindestens eine Mahlzeit am Tag habe ich also weiterhin mit den Säften ersetzt und so ging es mir viel viel besser.

 

 

10 Dinge, die mich die Wellnesswoche mit Biotta gelehrt hat

Ich könnte das Ganze jetzt als Niederlage ansehen. Oder aber, ich bin stolz darauf, es fast 4 Tage durchgezogen zu haben. Das ist meine Entscheidung, nicht wahr? Und irgendwie ist das im Leben doch immer so:

Unsere Sicht auf die Dinge entscheidet, wie wir durch das Leben gehen.

Für mich habe ich also entschieden, dass ich mich nicht als Verliererin sehe, sondern als Gewinnerin. Denn ich habe in den 5 Tagen vieles gelernt und das möchte mir und auch euch nicht vorenthalten.

1) Nicht alles, was ich mir im Leben vornehme, funktioniert so wie erwartet. Es ist aber meine Entscheidung, ob ich ein Scheitern als solches sehe, oder ob ich daraus etwas Positives gewinne und daran wachse.

2) Ich nehme mir – noch immer – zu wenig Zeit für mich selbst. Nicht ich alleine bestimme mein Leben, ganz oft bestimmen es noch immer äussere Umstände.

3) Wer fastet, muss sich mit sich viel mit sich selbst auseinandersetzen. Und das ist nicht immer einfach.

4) Der Verzicht auf Nahrung macht den Körper müde, den Geist aber ganz klar und wach.

5) Yoga und Fasten ist eine unschlagbare Kombination: Wenn ich in Zukunft nochmals faste, dann mit täglichem Yoga.

6) Körper und Geist sind eng miteinander verbunden: Beim Fasten müssen beide zusammenarbeiten.

7) Den morgendlichen Kaffee durch Tee auszutauschen, ist für mich keine Dauerlösung, aber sicher ein Ritual, welches ich in Zukunft mehrmals die Woche umsetzen möchte.

8) Saftfasten ist lecker. Sehr sogar. Ich möchte unbedingt mehr Säfte trinken in meinen Ernährungsplan integrieren.

9) Liebe ist alles. Sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun, ist so wichtig. Das möchte und muss ich unbedingt auch sonst mehr tun.

10) Stress ist Gift. Für den Körper, für die Seele. Und Stress ist hausgemacht. Oftmals liegt es ganz bei uns, ob wir ihn zulassen möchten oder nicht.

 

Würde ich es wieder tun? Mein Fazit.

Ja! Alleine weil ich eine sehr ehrgeizige Person bin und nicht gerne solche Experimente abbreche! 😉 Aber auch, weil ich der festen Überzeugung bin, dass Fasten total gut tut. Einmal herunterkommen, sich Zeit für sich nehmen und den eigenen Körper spüren: Das brauchen wir heuer mehr denn je.

Allerdings würde ich das Saftfasten beim nächsten Mal anders angehen. Ich würde mir dafür wirklich eine stressfreie, ruhige Woche aussuchen, genügend Ruhemomente einbauen und so oft Yoga machen, wie es nur geht. Sind diese Umstände gegeben, steht einer erfolgreichen Woche Saftfasten gewiss nichts im Wege.

Nun würde mich eure Meinung dazu interessieren: Habt ihr schon einmal eine Fastenkur gemacht? Und wenn ja: Wie lange? Habt ihr sie mühelos durchgezogen oder hattet ihr wie ich eure Schwierigkeiten?

Ich freue mich auf euer Feedback.

Alles Liebe,
Anina



2 thoughts on “Warum Fasten mehr ist, als der Verzicht auf Essen: Ein ehrliches Fazit nach dem Selbstversuch”

  • Sehr interessanter Beitrag, schön, dass du so ehrlich bist. Ich habe gerade einen Tag mal eine Saftkur gemacht und dann für mich beschlossen, dass das nichts ist. Mir fehlte das Ritual des Essens einfach, denn das sind die Momente am Tag, die ich für mich selbst nehme, die Pausen. Aber ich mache jetzt schon relativ lange das 16-8 Intervallfasten und fühle mich damit extrem wohl. 🙂
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

    • Liebe Dorie. Danke für deine lieben Worte. Fasten ist nicht für alle, das kann ich verstehen. Umso toller, dass du aber mit IF solchen Erfolg hast. Ich bin ja auch ganz grosser Fan davon! Alles Liebe, Anina

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