Label-Salat: Was steckt hinter Bio, Demeter & co.? Ich besuche drei Bauern

Label-Salat: Was steckt hinter Bio, Demeter & co.? Ich besuche drei Bauern

Wer bewusst ökologisch und nachhaltig einkauft, orientiert sich gerne an Labels. Doch: Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Denn: Wie unterscheidet sich Bio Suisse eigentlich von anderen Bio-Zertifizierungen? Und was ist nochmals der Unterschied von Bio zu Demeter? Welche Standards müssen Produkte mit dem Siegel IP-Suisse erfüllen? Ich war für euch zu Besuch auf drei Höfen, die für diese Labels produzieren und habe nachgefragt. Hier geht’s direkt zum Videobeitrag.

*Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit buuretv.ch entstanden.

 

Knospe Bio Suisse 

 In der Schweiz gibt es 6,423 Bio-Betriebe.

Knospe Bio Suisse ist das strengste Bio-Label der Welt! Von allen Biobetrieben in der Schweiz arbeiten 5’880 nach den strengeren Richtlinien von Bio Suisse. Das heisst: Mindestens 90% der Rohstoffe müssen aus der Schweiz stammen.

 

Bio-Suisse steht ausserdem für:

  • Ganzheitlichkeit: Bauern, die in der Schweiz Bio produzieren, müssen dies für den gesamten Betrieb und für die ganze Produkteverarbeitung umsetzen. Das ist gleichzeitig auch der grosse Unterschied zum weniger strengen Bio-Label der EU, wo Betriebe auch nur einen Teil der Produkte biologisch anbauen dürfen.
  • Biodiversität und Umweltschutz: Das Label garantiert vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger wird verzichtet. Die Bauern verpflichten sich zum Schutz von Boden, Wasser, Luft und Klima.
  • Gleichgewicht: Lebensmittel mit der Knospe sind nachhaltig produziert. Knospe-Betriebe bieten den Menschen eine gute Lebensgrundlage, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu beeinträchtigen. Dazu bringen sie die Interessen von Mensch, Tier und Natur ins Gleichgewicht.
  • Tierhaltung: Wiederkäuer erhalten mind. 90 % Rauhfutter. Alle Tiere erhalten mindestens 90 % Knospe-­Futter. Auf Knospe-Betrieben bekommen die Tiere regelmässigen Auslauf im Freien und auf der Weide. Gefüttert werden sie mit Bio-Futter, wenn möglich vom eigenen Hof. Auch in den Ställen wird auf eine artgerechter Tierhaltung geschaut. Insgesamt kommt weniger Antibiotika zum Einsatz. Bei der Aufzucht von Hühnern werden die männlichen Nachkommen vergast. Es leben nur die Weibchen.
  • Fairness: Zudem gibt es Richtlinien zu sozialen Anforderungen wie z.B. Sicherung von Gesundheit und Sicherheit der MitarbeiterInnen auf dem Betrieb, Vergütung von Überstunden etc.

 

 

Knospe Bio

 

Das ist das Gütesiegel der Bio-Suisse für Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft mit mehr als 10% Importanteil. Diese Produkte stammen aus ausländischer Produktion und erhalten zwar das Knopse Label, aber nicht den Bio Suisse Zusatz.

 

 

Für dieses Label gelten folgende Auslagen:

  • Zusätzliche Richtlinien für nachhaltige Wassernutzung und keine Rodung von Urwald
  • Kein Import von Frischprodukten aus Übersee, keine Flugtransporte
  • Weniger Zusatzstoffe sind erlaubt (34 statt 47)
  • Ausschluss von Zusatzstoffen zum Zweck der Färbung und Aromatisierung
  • Minimal Processing: Keine unnötigen Verarbeitungsschritte

 

Abgrenzung zu EU-Bio

Das Euro-Blatt auf grünem Hintergrund ist das staatliche Gütesiegel der EU-Kommission für biologische Lebensmittel. Das sechseckige Bio-Siegel ist das staatliche deutsche Zeichen für biologische Lebensmittel.

Die EU-Bioverordnung schneidet deutlich schlechter ab als andere Bio-Labels. Das EU-Bio Label schneidet in den Bereichen Bewässerung, Biodiversität, Klima und Soziales eher schlecht ab, weil nur wenige oder gar keine Anforderungen gestellt werden.

Ein weiterer Unterschied ist die sektorielle Produktion, die in der EU erlaubt wird.

In der Schweiz müssen Bauern gesamtbetrieblich biologisch produzieren, wenn sie das Bio Suisse Label erfüllen wollen. Heisst: Hier muss ein Hof also in jedem einzelnen Teil des Betriebes biologisch produzieren!

 

 

Demeter – biologisch-dynamische Landwirtschaft

Noch etwas älter und strenger als die Knospe ist die Bio-Zertifizierung von Demeter.  Der Schweizer Demeter-Verband setzt auf eine biologisch-dynamische Landwirtschaft, die möglichst im Einklang mit der Natur arbeitet.

 

Dies beinhaltet unter anderem, dass etwa Gewächshäuser im Frühjahr grundsätzlich nicht geheizt werden dürfen. Ausserdem darf Milch beispielsweise nicht homogenisiert werden und bei der Herstellung von Fleischwaren ist kein Nitrit erlaubt. Bauern, die nach Demeter-Standard produzieren legen ausserdem Wert auf irdische und kosmische Rhythmen.

 

Im Gespräch mit Demeter-Landwirt Simon Schmutz. Der Bauer erklärt mir, nach welchen Standards er auf seinem Hof produziert.

 

Demeter steht für:

  • Obligatorische Tierhaltung für landwirtschaftliche Betriebe oder zumindest eine Kooperation mit Austausch von Futter und Mist (es gibt also keine Demeter-Betriebe, die zB. nur Gemüseanbau betreiben)
  • 100 Prozent Bio-Futter, wovon in der Regel mindestens 2/3 Demeter sind (bei Wiederkäuern mindestens 80 Prozent Demeter). Davon kommen dann nochmals mindestens 80 Prozent vom eigenen Hof oder einer Betriebskooperation
  • Alle Kühe behalten ihre Hörner
  • Die männlichen Küken bekommen ein Recht auf Leben und werden nicht vergast
  • Einsatz biologisch-dynamischer Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist
  • Erlaubt in der Verarbeitung sind nur wenige absolut notwendige Zusatzstoffe und Prozesshilfstoffe
  • Keine Jodierung, kein Nitritpökelsalz
  • Ausschliesslich Aromaextrakte; keine naturidentische, synthetisch hergestellte Aromen

 

 

IP-Suisse – Integrierte Produktion

IP-Suisse kennzeichnet Schweizer Produkte aus integrierter Produktion.

Alle Produkte mit diesem Label stammen zu 100% aus der Schweiz.

  • Besonders bei der Biodiversität schneidet das Label überdurchschnittlich ab, da in diesem Bereich eine Mindestanzahl an Massnahmen umgesetzt werden muss (zum Beispiel können Schwalbennester angebracht werden)
  • Beim Tierwohl muss das Label weniger hohe Anforderungen erfüllen als im Bio-Bereich. Alle Tiere haben täglich Auslauf und werden in Gruppen gehalten. Die Stallmasse übersteigen die gesetzlichen Mindestanforderungen aber nicht. In der Tierhaltung von Rindern, Mastkälbern, Schweinen, Lämmern, Geflügel, Kaninchen und Legehennen gelten die gesetzlichen Mindestanforderungen. Die Tiere dürfen zweimal im Jahr mit Antibiotika behandelt werden
  • IP-Suisse Produkte sind gentechfrei, der Einsatz von Pestiziden ist erlaubt
  • Bei Denner, in der Manor oder im Volg sind IP-Suisse Produkte mit dem Käfer gekennzeichnet. In der Migros werden sie unter dem Label «TerraSuisse» verkauft.

 

Suisse Garantie

Suisse Garantie ist kein Label, aber das Gütesiegel des Vereins Agro-Marketing Suisse (AMS) für Landwirtschaftsprodukte aus der Schweiz und soll deshalb hier auch Erwähnung finden:

Die Produkte müssen in der Schweiz hergestellt und verarbeitet werden (inklusive Fürstentum Liechtenstein, Freizone Genf sowie die in Staatsverträgen geregelten Grenzzonen)

  • Alle Rohstoffe müssen von Produzenten erzeugt werden, welche den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss Verordnung des Bundesrates erbringen.
  • Der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen ist verboten

 

Mein Besuch von drei Höfen im Video

Wenn ihr euch jetzt noch ein eigenes Bild von all den Labels machen möchtet, dann findet ihr hier ein Video zu meinem Besuch auf drei Höfen, die nach dem obig genannten Standards produzieren. Ich war zu Besuch auf dem Biohof Waidhof in Zürich, dem Demeter-Betrieb Wagenburg und dem IP-Suisse Hof von Rafael Feldmann in Rheinfelden.

Zudem würde mich interessieren, für welche Labels ihr euch im Laden jeweils entscheidet. Wusstet ihr, was hinter den jeweiligen Zertifizierungen steckt? Ich bin gespannt. 

 

 

Ich persönlich kaufe übrigens vorwiegend biologisch produzierte Lebensmittel. 90% davon erwerbe ich am Luzerner Wochenmarkt. Über die Vorteile des Einkaufens am Markt habe ich übrigens hier schon berichtet.

Besonders als Veganer/in finde ich es wichtig, sich mit den entsprechenden Labels auseinander zu setzen. Denn selten kommt unser Gemüse oder die Früchte von einem Hof, auf dem nichts Tierisches produziert wird. Wenn ich Produkte mit den entsprechenden Labels erwerbe, kaufe ich damit also gewissermassen auch einen Standard ein. Dieser gilt ja dann nicht nur für mein Gemüse, sondern eben auch für die Tiere, die auf diesem Hof leben.

Alles Liebe und bis bald,
Anina

Quelle Fotos: yoveo content AG



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