10 Mythen rund um die vegane Ernährung: Rafi deckt auf!

10 Mythen rund um die vegane Ernährung: Rafi deckt auf!

Raphael Neuburger ist Präsident und Gründungsmitglied der Veganen Gesellschaft Schweiz. Ohne jegliche Tierprodukte zu leben, war vor 18 Jahren noch eher exotisch und umständlicher als heute. Dennoch hat Rafi damals den Schritt gewagt und es nie bereut. Im heutigen Interview deckt er 10 gängige Mythen rund um den Veganismus auf. 

Es war der 01.01.2001, als Rafi sich nach dem letzten Käsefondue zu Silvester entschied, nie mehr ein tierisches Produkt zu essen. Obwohl es damals noch um einiges schwieriger war, vegan zu leben, hatten ihm die Erfahrungen in anderen Grossstädten wie London oder Berlin gezeigt, dass es durchaus möglich ist. „Dort konnte ich überleben, wie lecker und vielfältig vegan möglich ist. Das hat mir den letzten Anreiz für den Umstieg gegeben“, erzählt Rafi. Ebenso diente ihm ein Freund, der zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre vegan gelebt hatte als Vorbild. Und die Fakten, die lagen für den studierten Biologen sowieso schon länger auf dem Tisch. Es gab also keinen Weg zurück. 

Heute, 18 Jahre später und sieben Jahre nach der Gründung der Veganen Gesellschaft Schweiz, sei es rückblickend immer noch einer der besten und spannendsten Schritte, die er bisher in seinem Leben gemacht habe, sagt Rafi. „Es hat mir neue Perspektiven, Spass und Freude geschenkt. So hoffe ich, dass ich diese Begeisterung für die vegane Lebensweise mit meinem Wirken möglichst vielen Menschen weitergeben kann.“

 

Mythos 1: Bilder der Massentierhaltung sind Extremfälle, nicht die Norm.

 

„Die Normalität ist leider extrem. Es leben zum Beispiel 10 Millionen Hühner und Schweine in der Schweiz. Aber sieht man diese jemals? Nein. Masthühner fristen ihr kurzes Dasein in riesigen Herden. Die meisten von ihnen sehen, trotz “Bodenhaltung”, niemals einen blauen Himmel. In der Mast werden sie nach nur knapp 40 Tagen schon geschlachtet. Schweine stehen fast alle auf Betonböden in dunklen Ställen, bis zu 10 von ihnen auf der Fläche eines Parkplatzes zusammengepfercht. Die Idylle auf einem Bauernhof wo die Hühner frei herumlaufen, die Pferde fröhlich wiehern und die Kühe glücklich grasen ist leider die Ausnahme.

 

Mythos 2: Bio-Fleisch zu essen ist doch okay.

 

Der Gedanke, dass es den Tieren die “biologisch” aufgezogen werden etwas besser geht ist grundsätzlich verständlich und begrüssenswert. Leider spielt aber auch hier viel Fantasie mit und die Vorstellungen von frei herumlaufenden, glücklichen Tieren ist trügerisch. Spätestens bei der Anfahrt zum Schlachthof ist es mit der Idylle vorbei und das viel zu kurze Leben der Tiere findet ein gewaltsames Ende. Zudem stammen die meisten auch aus denselben Zuchtlinien die auf starkes Wachstum oder hoher Milchleistung beruhen. Die Tiernutzung muss sich für den Bio-Betrieb immer rechnen. Das heisst, sobald das einzelne Tier keinen Mehrwert mehr bringt wird es geschlachtet.

 

Mythos 3: Veganer haben alle Mangelerscheinungen.

 

Ja, es mangelt vielleicht an Kaltblütigkeit! Spass beiseite, zwar gibt es das B12 welches zu supplementiert ist, aber ansonsten ist eine abwechslungsreiche und ausgewogene pflanzliche Diät etwas, dass aus gesundheitlicher Sicht absolut empfehlenswert ist. Persönlich habe ich eine Vorliebe für eher ungesundes Essen, habe es aber weder geschafft spindeldürr, noch allzugut beleibt zu werden und auch mein Arzt ist mit meinen Blutwerten immer sehr zufrieden.

 

Mythos 4: Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen.

 

Der Mensch hat auch schon immer Kriege geführt oder Sklaven gehalten. Deswegen heisst das ja nicht, dass er oder sie dies weiterhin tun müssen oder sollten. Ausser dem Geschmack und der Gewohnheit gibt es heute in der Schweiz keinerlei Notwendigkeit Tierprodukte zu konsumieren.

 

Mythos 5: Fleisch ist zu lecker und kann nicht ersetzt werden.

 

Es ist zwar schon länger her aber ich habe immer noch das Verlangen nach dem Geschmackserlebnis dass Fleisch und Tierprodukte geboten haben. Inzwischen gibt es Produkte vom “Vegetarischen Metzger” oder “Impossible Burger” & Co. die zum Verwechseln ähnlich sind und sich ebenso in Gerichten verhalten sei es die Spaghetti Bolognese, der Burger oder in einem Curry.

 

Mythos 6: Milch ist wichtig für die Knochen.

 

Es stimmt, dass Kuhmilch der Kalziumlieferant Nummer eins in der Schweiz ist. Problemlos kann jedoch angereicherte Sojamilch, Mineralwasser, sowie Nüsse oder grünes Blattgemüse genügend Kalzium liefern. Neben dem Kalzium sind Vitamin D und Bewegung wichtige Faktoren für die Knochenstabilität. Kuhmilch ist dazu keine notwendig.

 

Mythos 7: Veganismus ist extrem.

 

Extrem cool? Extrem konsequent? Klar, wenn man vegan lebt ist man nicht mehr Teil des Durchschnittes, gehört nicht zur Standard-Zielgruppe der Konsum-Gesellschaft. Mensch steht dabei für seine Überzeugung ein und setzt seine Prinzipien in die Tat um. Sich manchmal das Vorurteil des Extremisten angehängt zu bekommen ist dafür nur ein kleiner Lohn.

 

Mythos 8: Vegane Ernährung ist teuer.

 

Inzwischen kann auch im oberen Preissegment vegan kredenzt werden, sei es im Baur-Au-Lac oder in der Marktküche in Zürich. Grundsätzlich aber kann das Portemonnaie deutlich geschont werden wenn kein Fleisch mehr gekauft wird. Pflanzenmilch wird zwar nicht subventioniert wie Kuhmilch aber Gemüse, Teigwaren, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und co. liefern viele Nährwerte und Kalorien pro Franken. Ab & zu etwas vleischig oder käsiges darf auch nicht fehlen, macht aber punkto Kosten nicht soviel aus wie der Verzicht auf Fleisch und andere Tierprodukte.

 

Mythos 9: Kinder können nicht vegan ernährt werden.

 

Doch, das ist gut möglich. Dafür gibt es inzwischen auch viele leibhaftige Beweise. Die Eltern sollten sich jedoch genügend informieren und wie bei allen Kindern eine ärztliche Begleitung haben.

 

Mythos 10: Kühe müssen sowieso gemolken werden.

 

Eine Kuh ist ein Säugetier wie wir und sie gibt nur Milch wenn sie auch ein Junges gebärt. Aufgrund der Züchtung gibt sie heutzutage ein mehrfaches an Milch, als das nur einem Kalb zum Wachstum verhelfen würde. Diese ist auf die Euter und ihren Organismus übrigens eine starke Belastung. So wird auch sie nach nur wenigen Jahren geschlachtet. Die Kälber landen als Kalbfleisch auf den Tellern oder werden selbst zu Mutterkuh-Maschinen.

 

Das kannst du tun: Werde aktiv!

Die Vegane Gesellschaft Schweiz ist ein Verein, bei dem du Mitglied werden kannst. Mit deinem Mitgliederbeitrag können Projekte geplant und umgesetzt werden, die das Thema vegane Lebensweise in die Öffentlichkeit bringen und Infomaterial zur Verfügung stellen. Du findest alle Infos hier. Weitere Informationen über die Massentierhaltung in der Schweiz und die Möglichkeit sich zu engagieren findet ihr hier.



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