All we need is less – seit wann feiern wir eigentlichen den Konsum?

All we need is less – seit wann feiern wir eigentlichen den Konsum?

Weihnachten, das Fest der Liebe. Doch ist dem wirklich so? Müllberge und Ressourcenschlacht deuten eher darauf hin, dass wir den Konsum feiern. Und das, obwohl der Weg unter den Tannenbaum Jahr für Jahr mit so vielen guten Vorsätzen zugepflastert ist. Ein Blogpost darüber, was wir an Weihnachten alles nicht brauchen – und was wir damit vielleicht sogar dazu gewinnen.

„Dieses Jahr schenken wir uns einfach mal nichts“, höre ich so oft und – oh Wunder – dann wandert doch ein in Hochglanzpapier verpacktes Geschenk zu mir auf den Schoss. Obwohl ich mich nicht aufrichtig freue, ziehe ich Jahr für Jahr brav die Mundwinkel nach oben. Man will schliesslich nicht unhöflich sein. Aber mal ganz ehrlich: Warum jagen wir eigentlich noch immer nach Geschenken für Menschen, die eh schon alles haben?

Lassen wir einmal ein paar Zahlen sprechen: 294 Franken gibt im Durchschnitt jede erwachsene Person in der Schweiz für Geschenke aus. Fun Fact am Rande: Je weniger wir verdienen, umso mehr geben wir für den Weihnachtseinkauf aus. Der Einzelhandel rechnet deswegen Jahr für Jahr mit Umsätzen in Milliardenhöhe und auch die Onlinehändler reiben sich die Hände angesichts der guten Geschäfte zu dieser Jahreszeit. Die Post verschickt die ganzen Pakete im Weihnachtsmonat sogar noch einen Franken günstiger. Es sind jedes Jahr fast 20 Millionen Pakete, die alleine in der Schweiz verschickt werden. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele Lastwagen dafür unterwegs sind? Weihnachten, eine logistische Herausforderung.

Doch das Fest der Liebe ist eben auch eine gewaltige Ressourcenschlacht. Wenn wir einmal an alle Weihnachtsbäume und die Millionen von Gänsen denken, die jedes Jahr verkauft werden. Da steckt ganz schön viel Energie drin. Mal ganz abgesehen vom Tierleid. Auch auf den Autobahnen staut es kilometerweit. Hinzu kommt der ganze Müll, der in diesen Tagen anfällt. Wir schmeissen vieles weg. Geschenkpapier aber vor allem auch Essen. Warum das so ist? Weil wir an Weihnachten grosszügig sein wollen. Es wird mehr eingekauft, als eigentlich nötig. Weihnachten, eine Verschwendung.

 

Klotzen statt kleckern? Motto verfehlt!

Den ganzen Stress machen wir uns selbst. An Weihnachten soll eben alles perfekt sein. Da wird nicht gekleckert. Vorweihnachtszeit bedeutet Stress. Wir „müssen“ für alle die passenden Geschenke finden, das beste Essen kochen und mit der schönsten Deko auffahren. Und ein Keksteller mit weniger als 12 Sorten Guetzli muss gar nicht erst aufgetischt werden, oder? In Tat und Wahrheit müssen wir aber nichts von all dem. Wir können, wenn wir denn wollten, alles entspannter angehen. Das bedeutet weniger Hetzerei für uns, mehr Zeit für unsere Liebsten und weniger Ressourcenverschwendung für unsere Umwelt. Denn wer das ganze Jahr über bewusster konsumiert, schafft das auch an Weihnachten! Und glaubt mir, ihr könnt das ganze sogar geniessen. Vielleicht sogar noch mehr als je zuvor, weil der ganze Druck wegfällt. Weihnachten, einfach mal stressfrei.

Ihr habt keine Lust auf Shoppingstouren? Verschenkt Selbstgemachtes. Oder Zeit. Immaterielle Geschenke wie gemeinsame Erlebnisse sind sowieso am Schönsten. Und wenn ihr trotzdem was schenken wollt: Informiert euch. Klar ist schön, Überraschungen zu machen. Doch damit läuft man eben auch Gefahr, nicht das richtige auszusuchen. Fragt also eure Freunde und Familie, was sie wirklich brauchen. Und wie wäre es, dieses Jahr das Weihnachtsmenü einmal ohne Gans zu bestreiten? Es gibt so viele tolle pflanzliche Alternativen, die ihr alle zusammen kochen könnt. So bleibt der Stress auch nicht nur am Gastgeber hängen. Auch bei der Deko ist weniger mehr. Ein paar schöne Tannenzapfen und Äste reichen, vielleicht noch eine schöne Kerze. Weihnachten, einfach mal minimalistisch.

Und wenn wir es dann geschafft haben, dieses Jahr Weihnachten ein bisschen entspannter und weniger konsumgeil zu feiern, dann besinnen wir uns vielleicht auf das Wesentliche. Auf den eigentlichen Sinn dieser Tage. Weihnachten, eine eigentlich doch so schöne Feier. Weihnachten, das Fest der Liebe.

 



2 thoughts on “All we need is less – seit wann feiern wir eigentlichen den Konsum?”

  • Toller Artikel! Auch der Geschenkguide. Ich verschenke nur Dinge, die die Person sowieso gebraucht hätte oder Selstgemachtes. Ist auch persönlicher.
    Der Konsumtrend schwappte meines Erachtens nach langsam von den USA zu uns. Dort gibt es keinen Feiertag, der nicht mit Shoppen verbunden ist. Nichtmal ihr Weihnachtsmann hat mehr etwas mit Tradition zu tun, der stammt nämlich aus einer Coco Cola Werbung und wir sind dumm genug, unsere Samichläuse in diese roten Bademäntel zu Hüllen. (Mal abgesehen davon, dass St.Nikolaus und der Weihnachtsmann mit Rentieren nicht das geringste miteinander zu tun haben). Die energiefressende, kitschige Weihnachtsbeleuchtung gleich dazu. Black Friday ist auch so eine Sache, die man bei uns neu einführen musste. Finde ich sehr schade, wie wir damit nicht nur unsere Tradition verlieren, sondern auch eine Konsumkultur übernehmen.

    • Liebe Monika. Danke für deine lieben Worte. Das sehe ich auch so wie du und sicher ist es so, dass wir viele Trends von den USA übernehmen. Stimmt, die Weihnachtsbeleuchtung gehört auch erwähnt. Die nervt mich schon bei den Nachbarn, weil die so blinkt! 😉 Ich wünsche dir trotzdem eine schöne und gelassene Weihnachtszeit! Anina

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