Dann wird’s eben wärmer: Warum lässt uns der Klimawandel nur so kalt?

Dann wird’s eben wärmer: Warum lässt uns der Klimawandel nur so kalt?

Diese Woche stellten Forschende in Zürich die «Klimaszenarien Schweiz» vor. Sie zeigen klar auf: Unser kleines Land wird es heftig treffen. Dass 2018 deshalb als das Jahr in die Geschichtsbücher eingeht, in dem wir endlich begreifen und handeln, ist trotzdem unwahrscheinlich. Denn die Erderwärmung lässt uns kalt. Wir sind den Alarmismus müde. Diese Haltung macht mich wütend. Denn: Egal, ob die Politik mitzieht oder nicht. Wir alle können unseren Beitrag leisten und etwas gegen die Erderwärmung tun. Und zwar heute noch.

Der Klimawandel wird die Schweiz ganz schön mitnehmen. Der Blick in die mögliche Zukunft des Landes war noch nie so genau wie in der dritten Auflage der Klimaszenarien Schweiz, die Forschende von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und vom Oeschger-Zentrum der Universität Bern am Dienstag präsentiert haben. Und dennoch: Es gibt Themen, die scheinen zu gross für den Menschen. Erst recht für uns in der kleinen Schweiz. Zumindest für unsere Vorstellung. Denn Hand aufs Herz: Wir wissen doch genau, da läuft etwas mächtig falsch. Steigende Meeresspiegel, heisse Sommermonate und verheerende Tsunamis sind die höchste Alarmstufe. Mama Erde zeigt uns deutlicher denn je, dass sich alles drastisch verändern wird.

Und wir? Sommer ohne Regen: Kommt uns nur recht. Schön war’s, ein richtiges Märchen. Jeden Tag draussen grillen, mit weit geöffnetem Fenster schlafen und nur kurze Hosen tragen bis Ende Oktober. Und hey, die Natur hat es ja gut überstanden, oder? Ein Meer besitzen wir nicht. Ob also da der Spiegel ansteigt, interessiert uns nur wenig. Im November noch draussen sitzen zu können ohne Jacke stimmt uns dann vielleicht zwar schon etwas ungläubig. «Es ist halt schon viel zu warm», sagen wir uns und geniessen es dann, dass uns die Sonne ins Gesicht scheint. Das Gemüt jener Europäer, die in vielen Jahren zuvor um diese Jahreszeit schon den ersten Winterblues verspürten freut sich, Klimawandel hin oder her.

 

Auf die Politik zu vertrauen reicht nicht mehr

Dass die globale Erderwärmung grösstenteils von uns Menschen gemacht ist, das bestreitet heuer immerhin kaum jemand mehr. Die Zahlen sind Fakt, der Klimawandel real. Und manch einer kann das Wort deswegen auch schon gar nicht mehr hören. Wenn ich mich mit meinem Umfeld darüber unterhalte, dann kommt da ganz schön oft oft: «Ja klar, es ist schon schlimm. Die Politiker sollen endlich etwas tun». Mit dieser Haltung habe ich meine liebe Mühe. Nein, sie macht mich rasend. Ich meinerseits habe die Hoffnung nämlich längst aufgegeben. Dass die Politik dafür sorgt, dass wir unseren Planeten nicht an die Wand fahren, können wir vergessen. Das ist feige.

Klar, die Reduktion der Kohlenstoffemissionen und teure Massnahmen haben einen positiven Einfluss auf die scheinbar unaufhaltsame Bedrohung. Aber vielleicht sollten wir auch begreifen, dass all diese Strategien und Lösungen kostspielig sind und es einfach zu lange dauert, bis wirklich etwas geschieht. Die aktuellen Technologien zur Erzeugung grüner Energie sind noch viel zu teuer und produzieren noch zu wenig, um damit bestehende Energieträger zu ersetzen. Bis die Politik Lösungen praktisch umsetzt, sind unsere Gletscher weg. Denn in höheren Lagen wird der Schneefall seltener, besonders im Frühjahr. Und hey: Das sind jetzt nicht nur schlechte News für die Wintersportler unter euch. Sondern – und vor allem – für unsere Gletscher. Seit 1850 haben die Alpengletscher nämlich bereits rund 60 Prozent ihres Volumens verloren.

 

Erdrutsche und Überschwemmungen in der Schweiz

Die Klimaszenarien CH2018 zeigen nicht nur, wo und wie der Klimawandel die Schweiz trifft. Sie zeigen auch, was weltweite Klimaschutzanstrengungen dagegen ausrichten können. Und hier eine gute Neuigkeit: Klimaschutzanstrengungen können den Klimawandel (noch) entscheidend eindämmen.«Mit konsequentem Klimaschutz liessen sich bis Mitte des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert zwei Drittel der möglichen Klimaveränderungen in der Schweiz vermeiden», sagte Klimaforscher Reto Knutti in einer Mitteilung.

Okay. Und was heisst das nun konkret? Was sind denn „Klimaschutzanstrengungen“? Wie können wir als einzelne Person, jeder für sich und damit für uns mithelfen, dass 2060 das Thermometer südlich der Alpen nicht um bis zu 4,5 Grad steigt (nördlich der Alpen sind es übrigens sogar um bis zu 6 Grad Celsius mehr).

Wie können wir vermeiden, dass in einem durchschnittlichen Jahr das Thermometer in Genf am heissesten Tag nicht 40 Grad anzeigt? Denn wenn die Böden trockener werden, bekommen das alsbald die Landwirte zu spüren. Und wir damit mit. Wenn es künftig übrigens regnet, dann häufiger sehr heftig. Das setzt unsere Kellerräume unter Wasser setzt. Es wird Erdrutsche und Überschwemmungen geben. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Niederschlagsmenge einzelner Starkniederschläge bereits um zwölf Prozent zugenommen. Fakt. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts könnten noch einmal zehn Prozent dazukommen. Ebenfalls Fakt. Jahrhundertniederschläge könnten sogar bis zu 20 Prozent mehr Regen bringen. Fakt.

 

Der orange Last Sweater erinnert lautstark daran, dass die Tage kuschlig-warmen Pullover gezählt sind, wenn wir nichts gegen die Klimaerwärmung unternehmen. Mit dem Kauf dieses Pullis unterstützt ihr Klimaarbeit des WWF: Der Erlös kommt vollumfänglich Projekten gegen den Klimawandel zugute.

 

Was können wir tun? Vieles!

Wie können wir, ich und du, das verhindern? Zu den wichtigsten alltäglichen Ursachen schädlicher Emissionen gehören Reisen mit dem Auto oder Flugzeug, aber auch Heizung und Strombedarf sowie das eigene Konsumverhalten. Nutzt Bahn und Bus statt das Auto. Das ist hierzulande 25-mal besser für das Klima. 25 mal, das ist doch mega, oder? Und falls ihr doch einmal fliegt, dann kompensiert euren Flug. Beispielsweise über „myclimate“.Damit nicht genug.

Schaltet doch einfach das Licht aus, wenn ihr den Raum verlässt. Easy as that. So spart ihr Strom, Geld und schützt einfach nebenbei das Klima. Trocknet eure Wäsche an der Sonne statt im Tumbler. Kauft weniger Kleidung! Und wenn ihr was neues kauft, dann von einem fairen und ökologischen Label (hier gibt’s eine Liste). Jedes Produkt, nicht nur elektronische Geräte, verbrauchen in der Herstellung und Produktion bis hin zum Verkauf Treibhausgasemissionen. Wir kaufen jedes Jahr 60 neue Kleidungsstücke. Das ist doch nicht normal. Wir haben nur einen Körper, zwei Arme und zwei Beine. Wofür also? Ein Beispiek: Ein einfaches weisses T-Shirt aus Baumwolle mit einer Lebenszeit von etwa 55 Waschgängen verursacht etwa 11 kg CO2-Emissionen. Also rund das 50-fache seines Eigengewichts. Eine Jeans braucht in der Herstellung 8000 Liter Wasser. 8000!

Hinterfragt aber auch eure Ernährung. Ganze 31 Prozent aller Treibhausgase werden nämlich durch unser Essen verursacht!

  • 12% dieses Anteiles ist auf Fleisch und Eier zurückzuführen
  • 5% Prozent auf Milchprodukte

Alles, was von weit weg zu uns kommt, hat ebenfalls eine schlechte Treibhausgasbilanz. Kauft deshalb, soweit dies möglich ist, saisonal und regional ein. Die CO2-Emissionen von tierischen Produkten ist besonders schlecht. Ein Kilogramm Obst oder Gemüse verursachen Emissionen in der Höhe von 1 kg CO2, die Treibhausgasbilanz von Rindfleisch liegt dagegen bei über 20 kg. Durch Reduktion tierischer Produkte leistet ihr den grössten Beitrag für eine grünere Erde.

 

Öko ist das neue sexy!

Es beginnt also im Kleinen. Mit jeder Entscheidung, die wir jeden Tag treffen. Jeder und jede von uns, hat eine riesige Macht und entscheidet über unsere Wirtschaft und Politik. Die Politiker selbst wollen nämlich keine Veränderungen, die persönlichen Verzicht oder eine Einschränkung ihrer der Macht bedeuten. Aber genau darum geht es! Wir müssen erkennen, dass unser Konsumverhalten jeden Tag mitentscheidet, in welche Richtung es geht. Klimafreundlich zu leben heisst eben nicht nur Verzicht. Es heisst, sich für das Richtige einzusetzen. Und wenn das heisst, ein bisschen öko zu sein, dann ist das sexy und nicht „voll Hipster“. Wir tun es, weil es das Richtige ist. Nicht, weil es gerade Trend ist.

 

Verwendete Quellen für diesen Blogpost:

myclimate
Klimaszenarien Schweiz



7 thoughts on “Dann wird’s eben wärmer: Warum lässt uns der Klimawandel nur so kalt?”

  • Hallo liebe Anina 😊
    So ein wichtiges Thema! Mir ist bei Veganern schon oft aufgefallen, dass sie sich ein bisschen darauf ausruhen, dass sie ja vegan sind und dadurch so viel CO2 sparen. Dadurch achten viele garnicht mehr auf die anderen Faktoren. Mir ging es am Anfang aber genauso! Ich dachte mir immer ..ach ich bin ja vegan, dann ist es auch okay wenn ich mit dem Flugzeug fliege 🙈. Klar ist es okay, auch mal zu fliegen. Aber mit der Ernährung kann man das dann doch nicht ganz ausgleichen 😅. Ich finde es einfach wichtig, dass man sich dessen bewusst ist und wenn es möglich ist vielleicht doch die Bahn statt dem Flugzeug oder das Fahrrad statt dem Auto nimmt.
    LG, Eva

    • Liebe Eva. Ja, damit ist es nicht getan. Und wenn man viele Importprodukte konsumiert wie exotische Früchte (Avocado, Goji, usw.) ist das leider auch nicht der richtige Weg. Was aber auch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt ist unser Einkaufsverhalten bezüglich Mode. Ein Pulli hier, eine neue Hose da. Zara, H&M und co. sind eine der grössten Umweltverschmutzer überhaupt! Das macht nämlich noch viel mehr aus, als einfach die Bahn zu nehmen statt das Auto…

    • Lieber Andreas. Danke für dein Feedback. Und: Sehr gerne! Ich gleiche so, wenn ich fliege, immerhin meine Strecken aus. Liebe Grüsse und bis bald, Anina

  • Hallo Anina!
    Toller Blogpost, hat mich nach einer Weile der nachlassigkeit wieder auf den Boden geholt. Thema FairFashion: Die meisten Shops sind Online, kennst du auch welche die man in Zürich findet?
    Danke für eine Antwort! LG

    • Das freut mich! Na klar, kennst du schon den Rrrevolve im Niederdorf oder Lola Fred in der Europaallee? Den tollsten Fair Fashion Store gibt es aber in Luzern: Den Glore! 🙂

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