Was machen Blogger den ganzen Tag? So verdiene ich mein Geld

Was machen Blogger den ganzen Tag? So verdiene ich mein Geld

Es ist sechs Uhr, draussen ist es stockdunkel. Mein Zeigefinger tippt zielsicher in die Mitte des aufleuchtenden Displays meines Smartphones. Ehe der schrille Ton ertönt, habe ich dafür gesorgt, dass der Wecker verstummt. Ich bin ein Morgenmensch und daher meistens noch vor dem ersten Klingelton wach. Meine Füsse tragen mich als erstes ins Badezimmer. Ich wasche mir mein Gesicht und kämme mir das Haar. Alles Weitere kann warten, ich arbeite schliesslich von zuhause aus, das kann ich auch im Schlafanzug.

Während ich darauf warte, dass die Kaffeemaschine aufwärmt, öffne ich die App Instagram. Das geschieht mehr unbewusst als bewusst, reine Gewohnheit. Ich checke meine Privatnachrichten und beantworte die wichtigsten davon noch während die heisse Brühe ihren Weg in meine Tasse findet. In der einen Hand das Smartphone haltend (gleichzeitig tippend), in der anderen den Kaffee, marschiere ich ins Arbeitszimmer. Hier habe ich einen grossen Tisch und kann mich ausbreiten. Mein Macbook wartet mit einem gefüllten Posteingang auf mich. Ich habe mir angewöhnt, zuerst alle Mails abzuarbeiten und dann alles Weitere zu erledigen. So haben alle ihre Antwort, bis sie um sieben oder acht ebenfalls im Büro sitzen.

 

Der Mailmarathon beginnt

Der Mailmarathon dauert – je nach Tag – ungefähr eine Stunde. Meistens ist es kurz vor 7.30 Uhr, wenn ich diesen Punkt auf meiner täglichen To-Do-Liste abhaken kann. Viele der Mails, die ich bekomme, sind übrigens total unpassende Anfragen für eine Zusammenarbeit. Da war schon alles dabei; vom Fischkochbuch, über Kaffee in Plastikkapseln bis hin zum Duftspray für das Klo. Aber das ist ein anderes Thema. Es ist nun höchste Zeit, meinen Instagram-Post vorzubereiten.

Täglich gibt es meinerseits ein neues Bild, mal von meinem Essen, mal von mir. Welches Foto es wird, überlasse ich aber keinesfalls dem Zufall. Ich habe einen ziemlich strikten Content-Plan. Mit einer App plane ich meinen Feed immer mindestens sieben Tage im Voraus. Was?, denkt ihr euch wohl. Warum? Nun, gerade letzte Woche hat sich mein Planungs-Wahnsinn ausgezahlt. Dann nämlich, als mein Macbook von einem Tag auf den anderen den Geist aufgegeben hat. Ohne Vorbereitung wäre ich nun ohne neue Bilder dagestanden.

Weil ich aber immer mindestens eine Woche – notabene bearbeitete und durch Lightroom gezogene – Bilder bereit habe, konnte ich diesen Notfall einigermassen verkraften (ausgeflippt bin ich natürlich trotzdem). Nun aber zurück zum Thema: Ich plane also meinen Feed vor, was auch den Vorteil mit sich bringt, einen schön einheitlichen Look hinzubekommen. Sorry wenn ich euch nun also enttäusche und ihr bislang gedacht habt, dass die Bilder, die ich poste, immer direkt von meinem aktuellen Frühstückstisch stammen. Zu eurer Beruhigung sei jedoch angefügt, dass immerhin die Bildunterschriften tagesaktuell sind. Das mache ich bewusst so, weil es viel authentischer ist. Stellt euch mal vor, ich würde das auch sieben Tage im Voraus planen und dann geht es mir am Tag xy nicht gut und dann steht da aber sowas wie «-…heute bin total gut in den Tag gestartet». Ne, das geht nicht.

 

Die Algorithmus-Bitch 

Pünktlich um 8 Uhr geht also mein neuer Post online. Weil Instagram eine ziemliche Algorithmus-Bitch ist – sorry für den Ausdruck – verweile ich sicher weitere 30 Minuten auf der App. Ich like und kommentiere andere Fotos. Inzwischen nur noch jene der Accounts, denen ich folge. Das sind um die 400 und ich sage euch, damit habe ich genug zu tun.

Es ist nun also 8.30 Uhr. Die ersten Antworten meiner frühmorgendlich versendeten Mails schneien herein. Nun gilt es zu filtern. Ich kann nicht immer sofort auf alles antworten, dann wäre ich den ganzen Tag nur mit Emails beschäftigt. Ich habe mir deswegen ungefähre Zeitslots eingeplant, in denen ich Mails beantworte. Und das ist eben direkt in der Früh und dann nochmals später am Tag, so ca. um 14 Uhr.

Was jetzt passiert, ist jeden Tag ein bisschen anders. Manchmal habe ich ein Meeting, die lege ich wenn es geht immer auf den Vormittag. An anderen Tagen ist es ein Telefon-Call oder ich erarbeite für einen Kunden ein Konzept für eine bevorstehende potenzielle Zusammenarbeit. Wenn nichts dergleichen anfällt, nutze ich die Zeit, um einen Blogbeitrag für euch zu schreiben. Ehrlich gesagt gehört das zu meinen Lieblingsaufgaben. Schon immer war ich ein Schreiberling. Schon während der Zeit als Journalistin war mir die Zeit im stillen Kämmerlein mit Stöpseln in den Ohren und fliegenden Fingern über der Tastatur, die allerliebste. Hier kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen, meine Gedanken kanalisieren und mich mit Themen auseinandersetzen, die mich und euch interessieren.

 

Perfektionistisch? Immer.

Geschrieben sind meine Texte meistens schnell. Es ist meine Gabe, die richtigen Worte zu finden und sie zu Papier – oder in diesem Fall zu einem Blogpost – zu bringen. Was mehr Zeit braucht, ist die Recherche. Mir ist es wichtig, dass meine Themen gut fundiert daherkommen. Ich bin weder Fan von Copy-Paste noch will ich Unwahrheiten verbreiten. Gerade wenn es um heikle Tabuthemen und wichtige Gesundheitsfragen geht, ist eine gute Recherche die halbe Miete. Auch sehr zeitaufwändig sind die Bilder, die ich sowohl für meine Blogposts als auch für meine Instagram-Postings produziere. Vor allem meine Frühstücksfotos nehmen enorm viel Zeit in Anspruch. Ich bin ein ziemlicher Perfektionist, wenn es um die richtige Inszenierung meines Essens geht. Bin ich selbst auf dem Bild zu sehen, dauert das Shooting meist weniger lang (was vor allem daran liegt, dass Chris jeweils ziemlich schnell genug hat von meinen Posen und harschen Befehlen).

 

 

Jeder Schuss ein Treffer – weit gefehlt!

Es ist inzwischen Mittag geworden, die Uhr schlägt punkt 12 Uhr. Langsam meldet sich der Magen, der ist irgendwie noch immer auf Bürozeiten getrimmt. Ich speise ihn mit einer Banane ab und schlüpfe in meine Sporthose. Zeit, ein wenig frische Luft zu schnappen. Besonders beim Laufen kriege ich den Kopf frei. Manchmal – vor allem wenn es schnell gehen muss – mache ich auch ein HIIT, ein ungefähr 30-minütiges Intervall-Training. Meistens laufe ich sieben bis zehn Kilometer. Wieder zuhause angekommen springe ich kurz unter die Dusche (ich schaffe das unter 2 Minunten), springe zurück in ein bequemes Outfit – zugegeben manchmal wieder in mein Nachthemd oder die Schlabberhose – und bewege mich in die Küche. Es ist Zeit für das Mittagessen. Meistens ist es jetzt ungefähr 13 bis 14 Uhr, je nachdem. Weil es mittags schnell gehen muss und ich aber trotzdem gesund essen möchte, mache ich mir in 90% aller Fälle eine Smoothie Bowl. Diese löffle ich mit vielen Toppings innert wenigen Minuten aus, leider zu oft im Stehen, wenn ich ehrlich bin. Denn: Ich bleibe sowieso gleich in der Küche. Wenn ich einen Produktionstag habe, dann shoote ich meistens direkt zwei verschiedene Set-Ups hintereinander.

Es ist ungefähr 15 Uhr, bis ich gezaubert habe, was ich fotografieren möchte. Im Vorfeld habe ich mir schon überlegt, wie ich das Ganze in Szene setzen will. Vor allem bei Kooperationen ist es mir wichtig, ein Konzept zu haben. Ich habe das Endergebnis also bereits im Kopf und weiss zu diesem Zeitpunkt, wie ich das zu bewerbende Produkt am besten fotografiere. Ein Schuss ein Treffen? Schön wär’s. Nein, auch ich brauche meistens mehrere Anläufe und disponiere nochmals um. Gerade weil ich so perfektionistisch bin, schiesse ich oft über 100 Bilder (und bereue es jedes Mal, wenn ich dann stundenlang erst einmal aussortieren darf für die Nachbearbeitung).

 

Lightroom is magic

Das ist übrigens ein gutes Stichwort. Natürlich sehen meine Bilder ohne Bearbeitung noch nicht ganz so fancy aus. Instagram verlangt mehr: Ein Filter muss her. In Lightroom habe ich mir über die Zeit hinweg eigene Filter gezaubert, die jedem Foto den nötigen Feinschliff verleihen. Sind die Bilder favorisiert und durch die App gezogen, lade ich drei bis vier Favoriten auf mein Smartphone und schleuse sie direkt in meinen geplanten Feed ein. Ihr erinnert euch: Ich plane eine Woche im Voraus!

Der Nachmittag ist inzwischen gut fortgeschritten. Um ca. 16 Uhr esse ich hungrig die Hälfte meines Foto-Sets. Da ich nicht frühstücke, verschieben sich meine drei Mahlzeiten nach hinten. Das mache ich bewusst so, das Ganze nennt sich Intermittent Fasting. Dazu habe ich hier einen ganzen Blogpost verfasst.

Weil ich neuerdings ja in Luzern wohne, überlege ich mir um diese Uhrzeit meistens, ob ich noch Einkäufe tätigen oder Dinge in der Stadt erledigen muss. Hier schliesst nämlich alles um 18.30 und daran muss ich mich als Ex-Zürcherin erst einmal gewöhnen. Zudem wird es höchste Zeit, die bis jetzt ignorierten Mails zu checken und das Wichtigste zu beantworten. Alles andere kann bis zum nächsten Tag warten.

 

Feierabend gibt es (fast) nicht

Bestimmt fragt ihr euch, ob ich damit dann Feierabend habe. Die Antwort ist: jein. Seitdem ich selbständig bin, fällt es mir nicht immer leicht, abends abzuschalten. Gerade weil ich das, was ich tue, so liebe. Ich bin mit vollem Herzblut und viel Elan bei der Sache und lasse ungerne halb erledigte Dinge liegen. Es kommt also durchaus vor, dass ich auch bis 22 Uhr arbeite oder nach dem Abendessen nochmals etwas erledige. Ich muss aber sagen, dass sich das echt gebessert hat. Vor allem deshalb, weil ich am Abend Zeit mit Chris verbringen will. Er kommt meistens kurz vor 19 Uhr nach Hause. Bis dahin habe ich idealerweise schon etwas Leckeres gekocht. Ja, bei uns herrscht da die klassische Rollenteilung. Aber glaubt mir, ich bin froh, wenn ich die Hoheit in der Küche habe…

Nun, ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in meinen Alltag geben. Natürlich ist nicht jeder Tag wie der andere. Genau das ist ja auch das Spannende an diesem Beruf. Oft bin ich abends noch auf Events eingeladen oder darf ein paar Tage Urlaub in einer fremden Stadt machen. Aber: Das ist eben auch mehr die Ausnahme als die Regel. Als Bloggerin und Content Creatorin bin ich auch viel mit administrativen Dingen beschäftigt. Ich schreibe Rechnungen und mache meine Buchhaltung. Zudem ist am Samstag und Sonntag nicht einfach Wochenende. Und Urlaub gibt es im eigentlichen Sinne eigentlich auch nie. Denn: Eine ganze Woche oder gar zwei Wochen nichts zu posten, kommt angesichts des Algorithmus nicht in Frage. Zudem will ich mit euch gerade auch die tollen und aussergewöhnliche Dinge teilen, wenn ich unterwegs bin. Was da dann oft zu kurz kommt, ist eben der stinknormale Alltag.

 

Danke – auch für das Gemotze

Deswegen dieser Blogpost, der euch zeigen soll: Bloggerin zu sein ist zwar ein total abwechslungsreicher, inspirierender und spannender Beruf. Aber es gehört eben auch mehr dazu, als nur ein paar Bilder zu knipsen und hübsch auszusehen. Zumindest dann, wenn man einen gewissen Anspruch an sich selbst und eine Community hat, die mitdenkt und sich nicht für dumm verkaufen lässt. Danke an dieser Stelle, dass ihr genau solche Leser und Leserinnen seid. Ihr denkt mit, bringt euch ein, lobt aber kritisiert mich auch. Behaltet das bei, denn genau dieser Austausch ist es, den mich als Autorin dieser und anderer Texte so bereichert und glücklich macht.



8 thoughts on “Was machen Blogger den ganzen Tag? So verdiene ich mein Geld”

  • Ich bin so glücklich für dich, dass du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht hast. Man sieht, wieviel Herzblut du in alles steckst. Und ich freue mich über jeden neuen Post oder Blogeintrag.

    Was ich gerne wissen würde, wie gehst du mit Hatern um? Du stehst ja gewissermaßen in der Öffentlichkeit und da kommen die Neider leider automatisch.

    Fühl dich gedrückt und mache weiterhin eine so tolle Arbeit und uns Follower somit glücklich.

    Franziska

    • Liebe Franziska. Danke! Sich mit anderen Menschen zu freuen ist eine so schöne Gabe, oder? Umso mehr freue ich mich, so eine tolle Leserin wie dich hier begrüssen zu dürfen. Zu deiner Frage: Ich muss sagen, dass ich tatsächlich nur wenig sehr negatives Feedback bekomme. Da bin ich total froh drum. Aber natürlich, das kommt vor. Negativem lasse ich aber nicht viel Raum. Ich versuche es nicht persönlich zu nehmen und dann wieder zu vergessen. Es sei denn es ist konstruktiv. Denn solche Kritik nehme ich mir natürlich sehr zu Herzen, wir lernen ja schliesslich auch voneinander. Alles Liebe, Anina

  • Liebe Anina

    Vielen herzlichen Dank für diesen tolle Post. Ich finde es total spannend in deinen Alltag zu sehen.
    Was du alles machst….unglaublich spannend. Ich folge dir schon lange. Finde deine Einstellung einfach toll….du sprichst so viel aus meiner Seele. Vielen Dank für deine tägliche Inspiration. <3
    Ich arbeite momentan noch 100% als Raumplanerin (Stadt- und Regionalplanerin). Habe eine Ausbildung als gesamtheitliche Gesundheits- und Ernährungsberaterin gemacht. Befasse mich daher immer mehr mit dem Thema selbständig zu machen. An was man alles denken muss….Versicherung…..Steuer…..Rechnungen schreiben usw.
    Villeicht könntest du mir da einpaar Tips geben? Villeicht bist du ja mal in Zug und wir könnten einen Kaffee trinken? 🙂

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag. Bis hoffentlich bald einmal.

    Ganz liebi Grüess
    Sandrina

    • Hoi Anina, Hoi Sandrina

      Der Post ist wirklich toll geschrieben. Ich mag deinen Schreibstil.

      Genau wie Sandrina würde mich interessieren wie du das Ganze mit Versicherung, Steuer und Rechnungen handhabst. Hierzu gibt es immer so wenige Info’s wenn es um schweizer Blogger geht. Wenn du mal Lust hast und das mit uns teilen würdes wäre das mega!

      Merci vielmals für deine tolle Arbeit die du veröffentlichst. Es macht immer Spass deine Texte zu lesen. Dein Schreibstil fühlt sich beim Lesen wie Urlaub an =D. So leicht und als wäre man dabei.

      Liebe Grüsse
      Natalia

      • Liebe Natalia. Danke, das ist das grösste Kompliment für mich, weisst du das? Ich schreibe dazu super gerne einen separaten Post, guter Input! Danke dir und ganz liebe Grüsse, Anina

    • Liebe Sandrina. Du bist so ein Schatz, danke! Und so schön, dass wir uns im Hiltl schon einmal getroffen haben. Am besten schreibst du mir mal kurz auf Instagram, da lässt sich bestimmt was machen bzgl. Treffen! Zu deiner Frage: Dazu kann ich sehr gerne einen ganzen Blogpost schreiben, wenn das Interesse da ist. Ich überlege sowieso, hier eine ganze Spalte einzuführen zur Selbständigkeit, etc. – was meinst du? Liebe Grüsse, Anina

  • hi liebi anina,

    ich finde dä blogihtrag mega, mega spannend! denke es isch oftmals schwirig für ussestehendi überhaupt zVrstoh wievill arbeit und härzbluet hintr dem ganze steckt – und jetzt wo mrs alli gläse hei: hut ab! au wenns vill arbeit isch: ischs doch glich sAllerschönste uf dr wält wenn mrs gärn macht und mr sini lideschaft als job usfüehre ka! 🙂
    ei frog hani glich: welles app zu plane kasch du empfehle/ benutzisch du?

    mit ganz liebe grüess, laura xxx

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