Warum Milch das Klima killt und welche Alternativen wirklich besser sind

Warum Milch das Klima killt und welche Alternativen wirklich besser sind

In einer neuen Studie wurden die 35 grössten Unternehmen der Welt untersucht. Dabei stellten die Forschenden fest, dass alleine die fünf grössten Fleisch- und Milchproduzenten mehr Treibhausgasemissionen verursachen als die Ölhersteller Exxon, Shell oder BP*. Tierische Produkte sind auch bei uns in der Schweiz für 48% Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Vor allem der Fleischkonsum ist problematisch. Doch wie steht es eigentlich um die Ökobilanz von Kuhmilch? Und sind die veganen Alternativen dann wirklich besser für unsere Umwelt? In diesem Blogpost verrate ich euch, welche pflanzliche Milch ihr wirklich mit gutem Gewissen trinken könnt.

«Sich vegan zu ernähren, hilft der Umwelt deutlich mehr als der Verzicht auf Flugreisen oder die Anschaffung eines Elektroautos. Es geht nicht nur um Treibhausgasemissionen, sondern auch um Bodenübersäuerung und Wasserverunreinigung.» Joseph Poore (Leiter der Studie)*

*Quelle: GRAIN and the Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP)

Der Verdauungstrakt der Kuh arbeitet ständig. Rinder sind Wiederkäuer und produzieren dadurch eine grosse Menge an klimaschädlichen Emissionen. Sie gelten deswegen schon länger als Klima-Killer: Bei der Verdauung produzieren sie das Treibhausgas Methan. Aber auch die Futtermittelproduktion trägt dazu bei, dass Kuhmilch alles andere als ökologisch ist. Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt dieselbe Klimawirkung wie ein Liter Benzin. Und bei diesem Vergleich sind die ganzen Emissionen, die der Transport, die Vearbeitung und die Lagerung des Endprodukts mit sich ziehen, noch nicht berücksichtigt.

 

Sojamilch: Hier kommt es auf die Herkunft an

Immer mehr Menschen steigen deshalb oder aus gesundheitlichen und ethischen Gründen aus pflanzliche Milch um. Doch wie ökologisch sind diese Alternativen tatsächlich? Wenn der Anbau von Soja industriell erfolgt, ist die Ökobilanz auch nicht unbedingt vorzeigbar. 35 Millionen Tonnen Soja werden alleine im EU-Raum aus Brasilien importiert. Dafür werden Regenwälder abgeholzt, Böden verschmutzt und Trinkwasser verschwendet. Hinzu kommt, dass die Bohnen oftmals gentechnisch verändert werden. So lassen sie sich besser vor Umwelteinflüssen und Schädlingen schützen. Aber, und dieses aber muss gross geschrieben werden: Über 85% der Sojaernte weltweit wird für Tierfutter eingesetzt und nicht für die Weitervearbeitung von Lebensmitteln.

Sojamilch generell zu verteufeln, wäre also zu einfach. Viele Anbieter versichern ihren Konsumenten, nur Soja aus EU-Ländern zu beziehen. Provamel oder Sojade gehören ebenfalls dazu und bieten nur Milchalternativen in Bioqualität an. Durch diese Standards wird ein nachhaltigerer Anbau ohne Gentechnik und mit weniger Pestiziden garantiert. Auch Soyana, die in Schlieren unweit von Zürich herstellen, beziehen ihr Soja aus Norditalien.

Es gibt sogar eine schwedische Studie aus dem Jahre 2009, die die ökologischen Auswirkungen von Soja- und Kuhmilch verglichen hat. Damit ihr euch nicht alles durchlesen müsst, verrate ich euch die Erkenntnisse gleich hier: Für die Herstellung von Sojamilch werden deutlich weniger Ressourcen gebraucht. In Zahlen: 60 % weniger Land und verursacht nur ein Viertel an Treibhausgasen. Der Knackpunkt: Der Energieverbrauch des Produktionsprozesses ist minimal geringer als bei Kuhmilch.

 

Mandelmilch – mitverantwortlich für das Bienensterben?

Einer der grössten Mandelexporteure ist Kalifornien. Die Region leidet leider immer wieder unter einer schlimmen Dürre.Die Bauern in Amerika scheint das jedoch nicht zu kümmern: Sie bauen so viele Mandeln an wie nie zuvor. Obwohl die Pflanze sehr viel Wasser trinkt. Kalifornien versorgt inzwischen fast allein den gesamten amerikanischen Markt und zudem vier Fünftel vom Rest der Welt mit den Früchten. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Der Wasserverbrauch allein für die exportierten Mandeln würde übrigens reichen, um ganz Los Angeles für drei Jahre mit Wasser zu versorgen. Mehr muss ich dazu gar nicht sagen, oder?

Was beim Kauf von Mandelmilch aus Kalifornien ebenfalls beachtet werden sollte: Um die Bestäubung der Mandelbäume zu gewährleisten, werden jährlich Milliarden von Bienen auf den Plantagen verteilt. Diese industrielle Bienenhaltung schwächt das Immunsystem der fleissgen Tiere aber extrem und sie werden sehr anfällig für Viren. Die Mandelmilchproduktion wird deshalb mitverantwortlich gemacht für das Bienensterben.Für

Als Fazit kann gesagt werden, dass Mandelmilch im Vergleich zur Kuhmilch zwar nur einen Zehntel der Treibhausgase freisetzt, allerdings wird jedoch viel mehr Wasser verbraucht. Um genau zu sein 17 Mal so viel. Wenn euch diese Zahl genauer interessiert, dann könnt ihr euch gerne hier schlau schmachen.

Nun zu sagen, dass Mandelmilch per se schlecht ist, wäre aber auch hier zu einfach. Denn es gibt auch gute Beispiele. Die Mandeln für die Alpromilc kommen zum Beispiel aus mediterranen Anbaugebieten. Für diese liegen allerdings noch keine Studien vor, die Aussagen machen würden zur Ökobilanz oder dem Wasserverbrauch.

Um eine Klimakatastrophe abzuwenden, müssen wir die Produktion und den Konsum von Fleisch und Milchprodukten in reduzieren.

 

Hafer: die heimische und beste Alternative?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr euch an dieser Stelle schon langsam Sorgen macht und euch fragt, welche Milchalternative ihr denn nun bedenkenlos verwenden könnt. Und wisst ihr was? Ich habe gute Nachrichten. Genauer gesagt: Hafer. Er ist bei uns heimisch und somit ist weder die Regelwaldabholzung noch die Bewässerung das Problem. Konzerne wie Oatly verwenden lediglich Hafer aus dem eigenen Land, in diesem Fall also Schweden. Glaubt man dem Unternehmen, wirkt sich Hafermilch im Vergleich Kuhmilch um rund 70 % weniger auf das Klima aus. Auch verbraucht Hafer in der Herstellung nur 40% der Energie. Besonders beachtenswert ist auch, dass die Landnutzung um fast 80% geringer ausfällt.

Hafermilch ist also von den bisher genannten Alternativen sicher die sinnvollste für unser Klima und die Umwelt. Mir schmeckt Hafermilch besonders gut im Kaffee, weil sie sich auch schön schäumen lässt. Geschmacklich kann sie mit der Kuhmilch ebenfalls konkurrenzieren, weil die Milch schön cremig ist. Hafermilch oder Haferdrink – wie er oft genannt wird – findet ihr nicht nur bei Oatly, sondern beispielsweise auch bei Alnatura oder in der Migros. Dreht aber auch da sicherheitshalber einmal die Verpackung um und schaut nach, woher der Hafer tatsächlich kommt.

Eine weitere, noch nicht sehr verbreitete Alternative ist Hanfmilch. Der Anbau der Pflanze hat hierzulande eine lange Tradition. Lange war Hanf von unserem Speiseplan verschwunden aber allmählich kehrt er wieder zurück in unsere Küche. Zurecht: Hanf ist nämlich auch super gesund und ein echtes Superfood! Zudem könnt ihr Hanfmilch aus Hanfsamen auch ganz einfach selbst machen. Nur den Geschmack, den muss man eben mögen.

Um die Liste vollständig zu ergänzen möchte ich noch kurz auf Milchalternativen aus Reis, Cashew und Kokos eingehen. Reismilch kann sowohl aus Europa als auch aus Asien stammen. Es gibt tolle Reisdrinks aus Norditalien, die ökologisch vermutlich nicht schlecht abschneiden. Anders sieht es natürlich aus, wenn sie extra eingeflogen werden. Ähnlich verhält es sich mit Cashew- oder Kokosmilch, mit dem Unterschied, dass hier ein europäischer Anbau ausgeschlossen ist.

 

Mein Fazit zu allen Milchalternativen

Meine Recherche hat klar gezeigt, dass vor allem Hanf- und Hafermilch eine tolle Alternative sind und deutlich ökologischer sind als Kuhmilch. Generell muss aber auch gesagt werden, dass bei vielen pflanzlichen Milchdrinks unterschieden werden muss nach Herkunft und Verarbeitung. Im Allgemeinen ist es klar, dass die Produkte möglichst ohne Gentechnik, Regelwaldabholzung, Monokultur oder enormen Wasserverbrauch auskommen sollten, damit sie wirklich ökologisch sind.

Zum Glück sind die meisten Anbieter von Milchalternativen echt engagiert und bemühen sich auch um Transparenz. Achtet beim Einkauf vor allem auf die Herkunft der Rohstoffe und bevorzugt Anbieter, die die Bio-Standards erfüllen. Dann macht ihr schon ganz viel richtig! 🙂

Wer übrigens noch ökologischer unterwegs sein will, der kann seine Milchalternative durchaus auch selbst herstellen. Das ist einfacher, als gedacht. Gerne teile ich hier mit euch meine zwei Lieblingsrezepte.

 

Rezept für selbstgemachte Hafermilch:

  1. Eine Tasse Hafer mit einer Tasse kaltem Wasser über Nacht einweichen.
  2. Am nächsten Tag das Wasser abgiessen und den Hafer mit 4 Tassen frischem Wasser im Blender für 3-5min fein pürieren. Optional: Eine Prise Salz, Vanille und Zimt beifügen. Wer es süsser mag, kann auch noch ein bis zwei Datteln beifügen und mixen.
  3. Danach durch ein feines Tuch oder einen Nussmilchbeutel giessen und auspressen. Im Kühlschrank hält sich die Milch gut verschlossen in einer Glasflasche für drei Tage.

 

Rezept für selbstgemachte Hanfmilch:

  1. 10 Esslöffel Hanfsamen zusammen mit einem Liter Wasser in den Mixer geben. Optional: Eine Prise Salz, Vanille und Zimt beifügen.
  2. Im Mixer so lange verrühren, bis eine cremige Flüssigkeit entsteht. Und fertig! Im Kühlschrank hält sich die Milch gut verschlossen in einer Glasflasche für drei Tage.


2 thoughts on “Warum Milch das Klima killt und welche Alternativen wirklich besser sind”

  • Toller Artikel! Ich habe neulich meinen Opa in Mallorca besucht und dort erfahren, dass dort auch Mandeln angebaut werden und Mandelmilch hergestellt wird. Das hat dort eine lange Tradition und ich muss sagen, die Mandeln von dort schmecken so unglaublich lecker! Sie sind jedoch auch deutlich teurer als die Mandeln aus Kalifornien und mein Opa hat mir erzählt, dass die Kalifornischen Mandeln so günstig sind, dass die mallorquinischen Bauern nicht mehr mithalten können und die Mandeln teilweise nicht mehr vom Baum holen. Echt traurig denn sie schmecken so viel besser!
    Hanfmilch habe ich mal probiert, aber das ging garnicht^^ Ich mag am liebsten Soja oder Hafermilch 🙂 Bei Sojamilch steht auch immer drauf, dass der Soja aus der Eu kommt 🙂

    Liebe Grüße
    Gina

    • Liebe Gina. Das ist ja spannend, das wusste ich tatsächlich noch nicht! Da muss ich direkt einmal recherchieren. Liebe Grüsse an dich und unbekannterweise auch an deinen Opa! Anina

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