7 Tage Rohkost – wie gesund ist das wirklich?

7 Tage Rohkost – wie gesund ist das wirklich?

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Wer mich kennt weiss, wie gerne ich am Herd stehe. Diese Woche blieb er jedoch aus, denn ich habe für euch die roh-vegane Ernährung getestet. Warum ich mich dazu entschieden habe und ob die Rohkost Ernährung wirklich so gesund ist, erkläre ich euch in diesem Blogpost. Ausserdem verrate ich euch natürlich, wie es mir persönlich in diesen sieben Tagen ergangen ist und ob ich nun weiterhin roh vegan esse oder nicht. Ausserdem gebe ich euch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg. Denn auch bei der roh veganen Ernährung gibt es ein paar Dinge, die man unbedingt beachten sollte.

Roh und vegan: Das hört sich erst einmal nach einer totalen Einschränkung an. Obwohl ich häufig – wenn auch unbewusst – den ganzen Tag über mehr oder weniger ungekocht esse, konnte ich mir nie vorstellen, diese Ernährungsweise einmal auszuprobieren. Zu sehr liebe ich es, am Abend nach einem langen Tag am Herd zu stehen. Einerseits, weil alleine das Kochen für mich die pure Entspannung ist aber andererseits auch, weil ich abends jeweils meine Hauptmahlzeit esse. Ich gehe häufig erst später zum Sport und brauche danach etwas Warmes im Magen.

Soweit so gut. Jetzt wird es persönlich: In den letzten Wochen hatte ich immer wieder mit Darmbeschwerden zu kämpfen und das Gefühl, dass mir gerade mein gekochtes Abendessen eben gar nicht so gut tut, wie ich das immer denke. Teilweise hatte ich so starke Krämpfe, dass ich nicht einmal mehr stehen konnte. Es kam sogar vor, dass ich Termine absagen musste, weil es mir am Tag danach noch so schlecht ging. Natürlich habe ich mich gefragt, woran das liegen kann. Mir ist dann aufgefallen, dass die Bauchschmerzen vor allem dann auftreten, wenn ich gekocht esse. Mittags ist das weniger ein Problem aber abends machten mir vor allem Hülsenfrüchte, Kohlenhydrate und Sojaprodukte zu schaffen. Ich beschloss also, meinem Darm eine Verschnaufpause zu gönnen und in einem Selbstversuch sieben Tage roh zu essen.

 

Was ist eigentlich alles roh?

Rohkost – das klingt schon sehr gesund und einseitig, oder? In Wirklichkeit ist aber sowieso viel von dem, was wir jeden Tag essen, roh. Zumindest bei mir: Der Smoothie am Mittag, der Beilagensalat zum Hauptgericht, der Obstsalat zum Dessert, Säfte, Trockenobst und – ganz wichtig – Nussbutter und rohe Schokolade. Das Einzige, was mir noch Sorgen bereitete, war der Kaffee. Aber nun ja, eine Woche würde selbst ich es ohne meine heiss geliebte Tasse am Morgen aushalten.

Per Definition gilt als roh, was nicht über 42 Grad erhitzt wurde. Der Gedanke dahinter: Manche Eiweisse, wie auch zum Beispiel solche aus unserem Blut, beginnen ab 42 Grad zu denaturieren. Daher sollen auch erhitzte Lebensmittel denaturiert und nicht mehr vollwertig sein. Wer übrigens denkt, dass Rohkost per se vegan ist, täuscht sich. Es gibt auch Rohmilchkäse, rohe Eier und rohen Fisch. Natürlich beschränke ich mich in meinem Selbstversuch auf pflanzliche Produkte.

 

Hat Rohkost mehr Vitamine und ist daher gesünder?

Tatsächlich verlieren viele Lebensmittel durch das Erhitzen an Vitaminen. Das ist beispielsweise bei Vitamin C der Fall. Klingt also erst einmal gut, oder? Alle wertvollen Inhaltsstoffe sind noch in natürlicher Form enthalten, kein Vitamin wurde verkocht, kein Mineralstoff ausgelaugt und kein sekundärer Pflanzenstoff zerstört. Auch die Ballaststoffe, die für unseren Körper sehr wichtig sind, können durch Rohkost reichlich aufgenommen werden. Sie sorgen nämlich dafür, dass wir ein Sättigungsgefühl verspüren. Sie quellen in unserem Darm und fördern so den Abtransport von unverdaulichen oder auch schädlichen Nahrungsbestandteilen.

Bei meiner Recherche bin ich aber auch auf negative Aspekte der Rohkost-Ernährung gestossen. Es gibt eben auch eine ganze Menge Vitamine und Mineralstoffe, die erst durch das Erhitzen optimal bioverfügbar gemacht werden. Das heisst nichts anderes, als dass sie erst so für unseren Körper aufnahmefähig sind. Dazu gehören zum Beispiel die Vitamine A und E. Ausserdem enthält Rohkost eben auch viele Stoffe, die für den Menschen nicht gut bekömmlich sind. Das hat oft damit zu tun, dass einige Pflanzen Abwehrstoffe enthalten, die sie in der Natur von Feinden schützen sollen. Dazu gehören beispielsweise viele Getreidesorten. Getreide muss deshalb zumindest geschrotet und über Nacht eingeweicht werden. Wegen der Besiedlung durch Bakterien kann es hier jedoch bereits wieder zu Problemen mit der Verdauung kommen. Besser verdaulich ist es als Brei, in Brühe gegart oder zu Brot verarbeitet – dann aber eben nicht mehr roh. Auch Kartoffeln, Reis und Hülsenfrüchte sind roh nicht genießbar. In gegartem Zustand sind sie für die Gesundheit aber sehr wertvoll.

 

 

Mangelerscheinungen und Blähungen

Eine rohe Ernährung führt also einerseits zu einer höheren aber andererseits eben auch zu einer niedrigeren Vitaminzufuhr. Wer sich also nur roh ernährt, sollte auf jeden Fall sein Blut regelmässig kontrollieren lassen. Besonders interessant ist hier anzumerken, dass gerade bei kranken Menschen oft eine reine Rohkost-Ernährung angestrebt wird. Je nach Krankheitsstadium und Zustand des Patienten werden verschiedene Rohkoststufen empfohlen. Rohkost ist ärztlich erprobt bei vielen Zivilisationskrankheiten.

Ein weiteres altbekanntes Vorurteil ist, dass die Rohkost-Ernährung zwangsläufig zu Blähungen führt. Auch hier gilt aber: Es gibt keine eindeutige und allgemeingültige Aussage. Nicht jeder Mensch hat die gleiche Darmflora. Im Gegenteil: Sie kann verglichen werden mit unserem Fingerabdruck. Jedes Darmbakteriums ist auf andere Nahrung spezialisiert. Dem einen „schmecken“ nur Fette, dem anderen beispielsweise nur Eiweisse. Bis die Darmflora sich auf das neue Nahrungsangebot eingestellt hat und „Rohkostspezialisten“ die Verdauung übernehmen, kann es also immer zu Blähungen kommen. Ich persönlich kann sagen, dass ich gerade durch die rohe Ernährung eben weniger Blähungen habe als wenn ich gekochte Nahrung zu mir nehme. Das kann aber bei jedem Menschen wieder anders sein.

 

Mit Rohkost Gewicht verlieren

Statistisch gesehen, führt eine Rohkost-Ernährung zu einer Gewichtsreduktion. Ob es sinnvoll ist, deswegen auf eine rohe Ernährung umzusteigen, bezweifle ich. Ich bin immer dafür, lieber eine langzeitig ausgewogene Ernährungsweise anzustreben, die auch für mehrere Jahre hinweg – oder besser für ein ganzes Leben lang – funktioniert. Ein Ergebnis der Gießener Rohkost-Studie war übrigens sogar, dass 57% der Studienteilnehmer Untergewicht hatten und alle Teilnehmer im Laufe der Jahre aufgrund ihrer Ernährung kontinuierlich an Gewicht verloren.

 

Werde ich weiterhin nur roh-vegan essen?

Mir haben die sieben Tage Rohkost echt gut getan. Ich habe deutlich weniger Probleme mit meinem Darm und fühle mich vitaler. Geschmeckt hat es mir auch. Weil ich nichts kochen konnte, war ich gezwungen, kreativ zu werden. Somit habe ich viele neue Gerichte ausprobiert. Ich habe vor allem viel Gemüse roh gegessen, weiterhin grüne Smoothies gelöffelt und mir jeden Tag einen grossen frischen Saft gegönnt.

Roh-vegan zu leben ist übrigens ziemlich teuer: Ich habe bemerkt, dass ich viel mehr Frischprodukte einkaufen muss, um auf meine Kalorien zu kommen. Ausserdem habe ich wahrscheinlich mehr Fette in Form von Nüssen und Nussmus zu mir genommen, weil ich auf einige gute Kohlenhydrate und Eiweisse verzichten musste, die ich sonst in Form von Hülsenfrüchten wie Linsen, Tofu, Buchweizen, etc. aufnehme. Und was ich euch auch nicht verheimlichen will: Snacken ist sehr gut möglich. Inzwischen gibt es ja – leider – irrsinnig gute roh vegane Schoki! 😉

Um nun aber die Frage zu beantworten, ob ich nun weiter roh essen werde: Nein, bestimmt nicht für immer. Im Sommer kann ich mir aber gut vorstellen, dies ab und an für ein paar Tage zu machen oder einfach ab und ab abends eine gekochte Mahlzeit durch eine rohe zu ersetzen. Ich sehe Rohkost als sinnvolle und gesundheitsfördernde Art der Zubereitung, die täglich etwa zur Hälfte unseren Speiseplan füllen sollte. Gerade Smoothies sind eine ideale Möglichkeit, mehr rohe Lebensmittel in die Ernährung zu integrieren. Und wer keine Smoothies mag: Schnibbelt euch doch einfach euer Lieblingsgemüse und snackt es während dem Kochen. Das mache ich total gerne. So vermeide ich, dass ich schon mein eigentliches Essen aufesse und nehme oben drauf noch ganz viel Rohkost zu mir.

Weil mich viele Fragen erreicht haben, was ich denn so ungefähr an einem Tag gegessen habe, habe ich für euch Tagebuch geführt und zeige euch hier exemplarisch, was da alles so zusammenkommt. Übrigens: Während dieser Woche habe ich bewusst auf Intermittent Fasting verzichtet. Ich war mir nicht sicher, ob ich genügend Energie haben würde. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das die richtige Entscheidung war, da eine roh vegane Ernährung sicherlich mehr Planung bedarf, zumal die Kalorienzufuhr pro Gericht im Schnitt geringer ausfällt.

1 Tag roh-vegan, exemplarisch:

08.00: frischer Grüner Saft 0.5 l
09.30: 1 Banane
11.00: frischer Saft 0.3 l + ein paar Nüsse
13.00: Smoothie Bowl (zum Rezept)
15.00: 1 Schale rohes Gemüse (Karotten, Randen, Tomaten, Gurke)
18.00: Konjak Nudeln und Zoodles an Peanut oder Cashewsauce
19.00: 1 Glas Mandelmilch + Datteln + roh vegane Schoki

So, nun interessiert mich aber auch eure Meinung. Habt ihr schon einmal nur roh gegessen? Falls ja, wie ist es euch ergangen? Und wenn nicht, wie oft esst ihr roh? Ich freue mich über euer Feedback.

Alles Liebe aus Zürich,
Anina.

Quellenangaben der erwähnten Studien:

Giessener Rohkost Studie 1995

Ziel der Gießener Rohkost-Studie war es, die verschiedenen Richtungen der Rohkostbewegung in Deutschland zu erfassen sowie das Ernährungsverhalten und den Ernährungsstatus von Rohköstlern zu untersuchen.

Koebnick 2005
Teilnehmer: 201 Männer und Frauen, 46 Jahre, die sich seit mindestens 24 Monaten mit Rohkost (Anteil ungekochter Lebensmittel mindestens 70 Prozent) ernähren
Fragestellung: Wie beeinflusst Rohkost-Ernährung verschiedene Blutparameter als Indikatoren für die Herz-Kreislauf-Gesundheit?
Interessenkonflikte: keine Angaben. Die Studie wurde von zwei Stiftungen unterstützt, die den ökologischen Landbau fördern.

Fontana 2007
Teilnehmer: 21 Teilnehmer mit veganer Rohkost-Ernährung und geringer körperlicher Aktivität, 21 Ausdauerläufer mit normaler Mischkost, 21 Teilnehmer mit normaler Mischkost und geringer körperlicher Aktivität
Fragestellung: Wie beeinflusst Rohkost-Ernährung Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Interessenkonflikte: keine Angaben, durch verschiedene Forschungsstipendien finanziert.

 



6 thoughts on “7 Tage Rohkost – wie gesund ist das wirklich?”

  • Ein toller Artikel, meine Liebe! Sehr spannend zu hören, wie es dir ergangen ist. Für mich ist es gerade im Sommer ab und zu ok, mal einen Rohkost-Tag einzulegen. Generell fehlt mir auf Dauer aber irgendwie das Sättigungsgefühl. Und was die Leute, die das dauerhaft tun, angeht –
    natürlich haben die dann oft einen (meist teuren) Dörrautomaten. Mit so einem Gerät kann man natürlich nochmal eine ganz andere Bandbreite an Gerichten zaubern. Rohkost Cracker, Brot, Wraps, gedörrte Pilze, getrocknete Tomaten usw. Das wird dann schon wieder spannender als Gemüse knabbern. 😉 Was ich noch empfehlen kann, ist das Keimen. Ich esse regelmäßig Sprossen und finde auch gekeimte Saaten & Getreide viel bekömmlicher. Arbeite auch gerade an einem Post dazu. Mal schauen in welchem Jahrhundert er fertig wird haha… Alles Liebe, Caro

    • Danke, liebe Caro. Das sehe ich auch so. Im Sommer ist das sicher einfacher (aber wenn man wie du das Hum um die Ecke hast, dann weiss ich auch nicht, ob es nicht zu verlockend ist, haha). Das mit dem Dörrautomaten ist ein super Input! Das habe ich gar nicht bedacht. Dann wäre das natürlich nochmals ein anderes Thema. Hast du einen? 🙂 Und ich bin gespannt auf deinen Post!! 🙂

  • Ich wollte dich schon fragen wie es dir ergangen ist in den letzten Tagen damit! Wie super, dass du so positive Einwirkungen auf den Darm feststellen konntest. Bei mir gehen einige rohe Lebensmittel wie zum Beispiel Brokkoli gar nicht gut aber es geht wiederum auch nichts über einen saftigen Karottensalat mit Äpfeln , Orangen und Nüssen 😍 bis bald Liebes, Berlin is calling! Ich freu mich schon so dich zu sehen!

    • Hallo Liebes! 🙂 Ja, da hast du recht. Ich habe Kohl auch ganz bewusst weggelassen. Aber mit Karotten, etc. geht das super gut. Ah ich kann es kaum erwarten dich zu sehen. Ich schreib dir eh gleich mal noch Süsse! <3

  • Ich finde deinen Post sehr spannend, da mich das Thema seit längerem beschäftigt. Ich habe, wenn ich mir abends eine Bowl aus gegartem Gemüse (z.b. im Wok gedämpft, gekocht oder in der Pfanne angebraten) zubereite, hinterher oft bis in die Nacht hinein mit einem aufgeblähten Bauch und Rumoren zu kämpfen, was meine Schlafqualität erheblich beeinträchtigt. Dabei dachte ich immer gegartes Gemüse sei eben besser verträglich als rohes. Bei einem Rohkostsalat oder einer Rohkostplatte und wenn ich darauf achte, ein klein wenig gesundes Fett hinzuzufügen, passiert mir das nicht.
    ABER gerade im Herbst und Winter brauche ich abends einfach warmes Comfort-Food. Meinst du es mscht Sinn vielleicht auf Suppen umzusteigen? 🙂 Alles Liebe, Wiebke

    • Liebe Wiebke. Das freut mich! Ja, das kann ich total gut nachvollziehen, so ging es mir eben auch. Da ticken wir (oder unser Darm) wohl ziemlich gleich. Aber ich kann das verstehen, wenn es kälter ist, dann ist nur roh zu essen für mich auch nicht machbar. Suppen sind sicher eine gute Alternative oder Ofengemüse. Ich stelle bei mir vor allem fest, dass es Kohl ist und Hülsenfrüchte, die ich dann nicht vertrage..

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