4 Momente, die jeder Instagram-Husband kennt (Gastbeitrag)

4 Momente, die jeder Instagram-Husband kennt (Gastbeitrag)

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Hi! Mein Name ist Chris. Ich bin noch nicht ganz 30, Teilzeitstudent im Endstadium und glücklicher Instagram-Husband von Anina.

Da Anina eine Wette verloren hat, darf ich hier einen unzensierbaren Gastbeitrag schreiben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um euch die wahre Geschichte hinter den wundervollen Instagram-Posts aus der Sicht eines Instagram-Husbands zu erzählen.

 

Kapitel 1: Das perfekte Bild

Ich kann nicht „Nein“ sagen, wenn ich von meiner Liebsten gefragt werde, ob ich denn „schnell“ ein Bild von ihr machen kann. „Klar kann ich“, lautet demnach die richtige Antwort, die sich wenig später als fatal herausstellt. Denn auch nach 15 Minuten Fotosession sitzt das Haar meist noch nicht perfekt (ok, eigentlich nie), wirkt das Lachen zu gestellt, erscheint die Bildkomposition zu schräg, wird das extravagante Accessoire zu wenig in Szene gesetzt, erscheint der Hintergrund zu dunkel und ist die angedachte Pose noch nicht erreicht. „Noch ein Foto, bitteee“. „Klar“, sage ich und schlucke leer. Frust kommt auf (also bei ihr und bei mir schwindet die Motivation), denn DAS Bild kommt nicht. Gefühlte 237 Fotos später wird das Shooting abgebrochen. Und wer hätte das gedacht: Beim Screening der Bilder am Laptop gefällt dann doch jedes Mal eine ganze Reihe Bildern. Als Belohnung wird mir dann wird die Ehre erteilt, auf Instagram veröffentlicht zu werden. Nicht selten handelt es sich dabei übrigens um das erste Bild des Shootings. 236 nicht veröffentlichten Bildern gefällt das! Und mir auch.

 

Kapitel 2: Gegessen wird eiskalt

Es kommt nicht selten vor, dass ich relativ hungrig zu einem Essen erscheine. Sei dies im Restaurant oder in der heimischen Küche, wo ich kulinarisch – muss ich zugeben – sehr oft verwöhnt werde. Danke an dieser Stelle dafür. So sitze ich also mit gierigem Blick und knurrendem Magen am Esstisch und lasse mir das vorgesetzte Menu erklären. Es duftet meist exzellent, auch wenn ich die Mehrheit der Zutaten nicht kenne (#shameonme oder so). Dennoch verzichte ich auf eine Nachfrage über die Eigenschaften oder Herkunft der verwendeten Lebensmittel, um mit dem dampfenden Gericht schnellstmöglich mein Hungergefühl zu bändigen. Doch wehe man(n) kostet das Essen vor der bildlichen Verewigung. Die Konsequenzen können verheerend sein und können hier nicht weiter erläutert werden. Also wird besser die Geduld trainiert und ich schlucke das Wasser im Mund gentleman-like unauffällig runter, ohne auch nur die geringste Mimik zu verziehen. Währenddessen wird das Essen vor mehreren Hintergründen und aus unterschiedlichsten Winkeln und Positionen abgebildet. Bis der Gaumenschmaus an den Bestimmungsort (in meinen Magen) gelangt, kann sich dieses Prozedere noch einige Male wiederholen. Fazit: Essen wird meistens kalt serviert. Schmeckt aber dennoch vorzüglich.

 

Kapitel 3: Das eiserne Workout

Die unter Kapitel 2 angesprochenen Strapazen können sich in manchen Fällen noch signifikant verschlimmern. Nämlich dann, wenn für die Darstellungsinszenierung noch ein sogenanntes „Handmodel“ von Nöten ist. Das bedeutet für mich, dass vor dem Essen noch ein HIIT-Workout (High Intensity Interval Training) stattfinden wird. Um die kulinarische Feinkost adäquat in Szene zu setzen, werden von der Fotografierenden Höchstleistungen gefordert. „Heb das Glas etwas höher“, lautet beispielsweise eine oft wiederholte Devise, während ich auf den Zehenspitzen in gestreckter Position in einem 67.6-Grad-Winkel zur Lichtquelle gerichtet stehe und versuche, mich ja nicht zu bewegen, da ansonsten das Bild droht unscharf zu werden. Übrigens: Dieser Sport wird vorwiegend in der freien Natur (Balkon) praktiziert. Auch im Winter. Toll.

 

Kapitel 4: Ich weiss, was sie die letzten Stunden getan hat

Kommen wir aber doch noch zu den Vorteilen, wenn deine Freundin eine Bloggerin ist. In meinem Fall habe ich die Ehre, das beste Essen der Welt geniessen zu dürfen! Und ich muss mir nie Sorgen machen, wo sich meine Liebe gerade befindet. Ein kurzer Blick in die Stories genügt und ich sehe, dass mein Herzblatt sich gerade mit @happyveganfoodworldtravelfitness im neusten veganen Café in Zürich über Insta-Trends austauscht. Zu einem späteren Zeitpunkt besagt die Story dann beispielsweise, dass die beiden sich noch im Kino @abatonzürich den Film mit dem hübschen @ashtonkutcher anschauen und diesen mit #bestfilmeveeer kommentieren. Für mich bedeutet das nur, dass ich den versprochenen Wohnungsputz erst nach der nächsten Folge Blacklist auf Netflix in Angriff nehmen muss, da Anina frühestens in zwei Stunden nach Hause kommt. Praktisch!

So, das waren die ersten vier Kapitel der endlosen Geschichte. Falls du noch weitere Insights hören willst, hilf mir Anina mit deinem Kommentar davon zu überzeugen. Es gibt nämlich noch viel mehr zu erzählen! 😉

Hat mich gefreut, Chris

 

All photos by: Pia Anna and Christian Photography



8 thoughts on “4 Momente, die jeder Instagram-Husband kennt (Gastbeitrag)”

  • Haha, davon könnte mein Freund wohl auch ein Liedcheh singen. Wobei ich sagen muss, dass ich ja äußerst selten auf Bildern zu sehen bin bzw. ihn dazu zwinge, welche zu machen. Aber wenn, dann läuft das exakt so ab wie oben.. 😉
    Essen darf er immer schon während ich fotografiere – ich fotografiere meine eigene Portion!
    Liebe Grüße,
    Ela

  • Chris starte doch deinen eigenen Blog! Deine Kommentare sind der absolute hammer! Bist du eigentlich auch Veganer? Nervt dich diese ganze Fotosache oder macht es dir Spass? Schreibe die Antworten doch gleich auf deinem eigenen Blog 🙂 Liebe Grüsse und viel Glück euch!

    • Das mit dem antworten muss er dann wohl noch lernen, wenn er auch einen Blog starten will, oder? 😉 Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich das jetzt übernehme. Danke vielmals für dein Feedback. Wird bestimmt nicht das letzte Mal sein, dass du hier von Chris lesen kannst. Und zu deinen Fragen: Vegan nicht, aber er isst kein Fleisch und isst sehr bewusst. Alles Liebe, Anina

  • Haha ich lieeebe diesen Beitrag so sehr. Großes Kompliment an Chris. Ich denke ich leite den Beitrag direkt an meinen Freund weiter :). Er wird sich amüsieren. Da sollte er eigentlich auch gleich mitmachen :).

    Ganz liebe Grüße

  • Hach, wie herrlich, das zu lesen, was meine bessere Hälfte auch andauernd mit erleiden muss!
    Besonders, was kaltes Essen und Handmodel-Workout anbelangt, kann er ganz viel mitreden. 😀

    Wunderbar humorvoll niedergeschrieben, bitte mehr davon!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Danke, liebe Jenni! Die Männer haben es echt nicht leicht. Aber solange sie noch Blogposts für uns schreiben, kanns nicht so schlimm sein, oder? 😉

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