Das Streben nach Passion und Bestimmung im Leben

Das Streben nach Passion und Bestimmung im Leben

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Was willst du mal werden, wenn du gross bist? Als Kind wusste ich nicht, was ich darauf antworten sollte. Schon gar nicht im Alter von vier Jahren aber auch lange Zeit später wusste ich nicht, was ich für den Rest meines Lebens tun wollte (wer weiss das denn überhaupt). Aber dennoch brachte es mich zum Nachdenken. Schon damals beschlich mich das dumpfe Gefühl, besser noch gestern als morgen eine Antwort auf diese Frage zu finden. Gleichzeitig merkte ich aber auch alsbald, dass die Menschen um mich herum diese Antwort nicht alleine mir überlassen würden. Nein, Erwachsene versuchten inständig, mich in eine Richtung zu lenken. Ich bin mir sicher, dass euch das nicht fremd vorkommt. Bestimmt habt auch ihr gewisser Art und Weise etwas Ähnliches durchlebt und erfahren. Nicht alle Erwachsenen meinten es dabei nicht gut mit uns, im Gegenteil. Wahrscheinlich wollten sie nur das Beste für uns. Und dann gab es noch jene, die durch uns das erreichen wollten, was sie selbst nie erzielten.

Erwachsene neigen also dazu, einem Kind zu sagen, was das beste für einen ist. „Du würdest eine gute Journalistin abgeben“, habe ich besonders oft zu hören bekommen. Und ja, das war wahrscheinlich gar nicht so falsch. Schon mit vier Jahren habe ich gelesen und geschrieben. Es dauerte nicht lange, bis ich meine erste Kurzgeschichte verfasste. Ich war ein neugieriges Kind und hatte stets viele Fragen. Mit 12 Jahren meldete ich mich freiwillig für das Fach Politik an, weil es mich interessierte, was die Erwachsenen besprechen. Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert und die Menschen ticken. Meine Eltern und auch die Lehrpersonen waren noch immer „beeindruckt von meinem Schreibstil“. Das machte mich stolz und glücklich, weil ich wusste, dass das etwas was, worin ich besser war als andere Jugendliche. Nicht zuletzt daraus entstand mein Berufswunsch und ich wollte tatsächlich Journalistin werden. Das erzählte ich fortan jedem, der mich fragte, was ich denn mal werden wolle.

Diese Reflexion meiner eigenen Geschichte bringt mich auch direkt zu den Fragen, die uns in diesem Blogpost beschäftigen. Ist es das, was das Leben ausmacht, die Karriere? Und warum müssen wir so früh wissen, womit wir unser Lebensunterhalt verdienen wollen aber nicht, was wir vom Leben selbst erwarten? Ist das vielleicht der Grund, warum so viele von uns unglücklich sind?

Die Bestimmung im Leben

Ich glaube fest daran, dass jeder von uns seinen eigenen Weg hat. Wir alle haben eine Bestimmung im Leben und sind auf dieser Erde, um diese zu erfüllen. Ich meine damit nicht (nur) unsere Karriere. Eine Bestimmung kann alles sein. Einige von uns sind hier um soziale Ungerechtigkeit zu mindern oder mit einer grossartigen Idee etwas für die Menschheit zu bewegen. Andere wiederum werden geboren, um gute Eltern zu sein, andere sind die besten Zuhörer. Es gibt Menschen, die schreiben Texte oder berühren uns durch ihre Fotografie. Andere singen und erreichen damit unser Herz. Und nichts davon ist richtig oder falsch. Niemand ist dadurch besser oder schlechter als ein Anderer. Wir sind alle verschieden. Jeder von uns hat andere Geschenke bekommen, jeder hat seine individuellen Stärken und Talente.

Wie kommt es dann, dass so viele von uns trotzdem unglücklich durch das Leben gehen? Wir fühlen uns verloren, nicht gebraucht. Wir suchen nach diesem tieferen Sinn und sind doch nicht sicher, wie wir ihn finden sollen. Zweifel schleichen sind ein, wir kämpfen dagegen an und verlieren doch oft. Wir werden unsicher, lassen uns verunsichern. Diesen tieferen Sinn gebe es nicht, sagen nicht wenige Menschen in unserem Umfeld. Entweder, weil sie nie daran geglaubt haben, oder, wie manch einer von uns, den Glauben daran verloren hat. Wir sollen uns auf das „wahre, reale Leben“ fokussieren, heisst es oft. Damit ist wie selbstverständlich unser Job gemeint. Dass das aber nicht die primäre Aufgabe in unserem Leben sein muss, gerät dabei in Vergessenheit. Klar, manch einer mag künden, wenn es ihm bei der Arbeit nicht gefällt. Aber selbst dieser Schritt erfordert einiges an Mut. Sofort steigen wieder die Zweifel empor. Man ist sich nicht sicher, wie das Umfeld darauf reagieren würde. Schliesslich muss man doch auch Krisen durchstehen, durchbeissen, nicht immer direkt aufgeben. Aber ist dem so? Müssen wir das? Ist es nicht unser Recht, glücklich zu sein und nach mehr zu streben?

Seien wir mal ehrlich. Wenn es sich so anfühlt, als würde in unserem Leben etwas fehlen, dann wird sich dieses Gefühl nicht einfach wieder legen. Das ist keine Phase, die mal eben so vorüber geht. Und vor allem ist es kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil, wie ich finde. Es ist doch viel mehr der erste Schritt in die richtige Richtung, wenn wir unser momentanes Leben überdenken und über unsere eigentlichen Ziele und Träume nachdenken. Vielleicht wollen wir etwas bewegen und verändern, doch wissen noch nicht wie. Falls dem so ist, uns es auch euch so geht oder ergangen ist, dann ist dieser Blogpost für euch. Er ist geschrieben für all jene, die nach ihrer Passion und der Bestimmung ihres Lebens streben. Nicht (nur) nach dem Job und der Karriere. Für Menschen, die ihre wahre Leidenschaft entdecken wollen und, endlich, leidenschaftlich und offensichtlich darin aufgehen wollen.

Das Gefühl von innerer Unsicherheit

Ich kenne das Gefühl von Unsicherheit nur zu gut. Lange Zeit versuchte ich herauszufinden, was meine Bestimmung war. Ich wusste, dass ich es liebte zu schreiben und zu fotografieren. Das war immer mein Weg, mich auszudrücken. Wichtig war mir auch, das nicht nur für mich zu tun, sondern meine Worte und Bilder mit anderen zu teilen. Ein grösseres Publikum erreichen zu können war dabei aber nicht das primäre Ziel. Meine Worte sollen nicht nur gelesen, sondern auch verstanden und weitergedacht werden. Vielleicht beschlich mich als Journalistin deshalb oft das Gefühl, dass ich am falschen Platz bin. Denn die meisten Artikel, die man da verfassen soll, sind unpersönlich, neutral und schnell wieder vergessen. Die Zeitung von heute ist morgen Altpapier.

Trotzdem war ich viele Jahre lang davon überzeugt, dass der Tagesjournalismus das richtige ist für mich. Gleichzeitig schrieb ich mich damals an der Uni ein und begann Journalismus auch theoretisch zu studieren. Glücklich machte mich das nicht, schon nach wenigen Vorlesungen begann ich, denn Sinn darin zu hinterfragen. Und irgendwie habe ich mir auch gar nie überlegt, ob ich das tatsächlich studieren will. Es war für mich einfach klar, dass ich mit meiner Abschluss etwas studieren musste. Und Journalismus war da sehr naheliegend.

Wie oft sass ich in der Vorlesung und war unglücklich. Was mache ich hier?, schien ich innerlich zu schreien. Ich beneidete diese schillernden Figuren in den Medien, die alle „ihren Traum lebten“. Ich schaute zu ihnen hoch, zu diesen Leuten, die das Leben über alles liebten und gleichzeitig hasste ich sie. Dafür, dass sie so „in Balance“ waren, so „voller Energie“.

Aufgeben, was man nicht leiden kann

Nach einem Jahr an dieser Schule war ich bereit für den ersten Schritt in die richtige Richtung. Ich wusste, dass ich einen neuen Weg einschlagen wollte. Aber wo sollte ich beginnen? Ich verliess die Schule, das war das Erste. Mein Umfeld begann sofort nach meinen neuen Zielen zu fragen und was denn nun aus meiner Karriere werden würde. Um ehrlich zu sein, ich hatte keinen blassen Schimmer. Ich wusste nur, dass das, was ich machte, sich falsch anfühlte. Ich setzte mich damit selbst so unter Druck, dass ich keinen Meter weiter kam. Zweifel stiegen in mir auf, ich fühlte mich taub und ohne Energie. Ich wollte mehr, aber was das beinhaltete, konnte ich mir nicht beantworten. Ich wusste, dass ich weiterhin schreiben wollte. Ich wollte Menschen mit meinen Texten erreichen, inspirieren, sie zum Nachdenken bringen. Ja, das alles tun Journalisten auch. Aber für mich war das noch immer nicht der richtige Weg. Da musste es noch etwas anderes geben.

An diesem Punkt der Wende ist jeder verschieden. Für mich war es der beste Weg, zuerst die Dinge aus meinem Leben zu streichen, die nicht mehr dazu passten. Das war ziemlich radikal und auch nicht einfach. Es folgte auch die Trennung von meinem damaligen Freund. Nach diesem Prozess des „Loswerdens“ begann ich langsam damit, mich damit zu beschäftigen, was denn nun neu dazu kommen sollte. Und ratet mal, was passiert ist: Heute bin ich glücklich. Glücklich mit dem, was ich tue. Ich habe meinen eigenen Weg gefunden, das zu tun was ich liebe. Ich schreibe, fotografiere und teile das alles mit einem Publikum. Dieses Publikum seid ihr, hier auf aniahimsa.com und auch auf Instagram. Ich habe die Chance bekommen, mit Leuten zu arbeiten, die die gleiche Passion haben. Noch viel schöner ist es, Freunde an meiner Seite zu haben, die ähnlich ticken und viele Leidenschaften mit mir teilen. Keine Sekunde möchte ich all das missen. Es fühlt sich einfach so richtig an! Und ja, ich schreibe auch heute noch ab und an für die Zeitung. Aber nur dann, wenn mir danach ist und nicht mehr, weil ich das muss.

Bis hier hin ist dieser Blogpost ziemlich persönlich. Aber irgendwie hätte ich diesen Beitrag nicht schreiben können, ohne meine Geschichte mit euch zu teilen. Denn wie kommt das an, wenn ich nur meine Tipps aufliste und nicht sage, dass ich genau dadurch stärker geworden bin. Nur wer selbst einmal durchlebt hat, sich nicht am richtigen Platz zu fühlen, kann seine Gedanken auch mit anderen teilen. Ich habe Schritt für Schritt herausgefunden, wofür ich wirklich brenne. Den ganzen Prozess zu beschreiben, ist nicht einfach. Die folgenden Punkte sind deshalb ebenfalls subjektiv und aus meiner Sicht dafür geeignet, einen neuen Weg einzuschlagen. Einige davon werden euch helfen, andere sagen euch vielleicht gar nicht zu. Das entscheidet noch immer ihr.

1) Schreibt auf, was ihr liebt

Wann wurdet ihr das letzte Mal nach euren Vorlieben gefragt? Was liebt ihr? Wahrscheinlich kommt fas nicht so oft vor, vielleicht auch deshalb, weil wir jeden Tag Dinge tun (müssen), die wir eben nicht mögen. Lasst uns das ändern. Nehmt Stift und Papier zu Hand und schreibt auf, was euch wichtig ist. Wofür brennt ihr, was bedeutet euch viel, was macht ihr gerne? Das kann alles sein. Denkt nicht zu viel nach, das würde den Prozess nur stoppen. Schreibt alles nieder, was ihr liebt: Essen, Erfahrungen, Gefühle, Reisen, Länder, Menschen, usw. Sobald ihr das Gefühl habt, dass eure Liste komplett ist, versucht ihr die Punkte zu verbinden. Wo gibt es Parallelen, wie passt das ganze zusammen? Und was heisst das adaptiert auf euer Leben? Wie können euch diese Dinge helfen um die Bestimmung für euer Leben zu finden? Auch hier ist eines ganz wichtig: Offen sein! Es gibt kein richtig oder falsch.

2) Werdet aktiv

Euer Leben kann sich nicht ändern, wenn ihr nur darüner nachdenkt. Der nächste Schritt ist unangenehm zu Beginn, jedoch unabdingbar. Ihr müsst den Tatsachen ins Gesicht sehen und loslegen. Glaubt an euch, an eure Intention, wagt den nächsten Schritt. Mir hat es extrem geholfen, anderen Menschen in meinem Umfeld zu sagen, was ich erreichen will. Damit habe ich indirekt mir selbst eine Versprechung gemacht. Ich habe ausgesprochen, was meine Ziele sind. Wenn ihr mögt, fragt eure Freunde doch auch, ob sie euch an diese Ziele erinnern können. Fragt sie, ob sie euch motivieren können. Das wird euch helfen, Schritt für Schritt weiter zu gehen anstatt in alten Mustern zu verharren.

3) Weniger Kopf, mehr Herz

Das klingt total kitschig, aber es ist so wahr. Euer Herz weiss am besten, was eure Bestimmung ist und wofür ihr brennt. Macht jeden Tag einen kleinen Schritt und tut mehr von den Dingen, die ihr liebt. Schaut nochmals auf eure Liste und lebt sie. Wenn ihr Dinge tut, die ihr liebt, wird es euch einfacher fallen, neue Inspiration zu finden. Ihr werdet glücklicher sein und wieder neue Kraft schöpfen können. Ein Beispiel: Ich liebe es, laufen zu gehen. Das kostet mich oft Überwindung. Aber weil ich weiss, wie gut ich mich danach fühle und wie inspiriert ich zurück komme, schaffe ich es, auch bei grösstem Regen nach draussen zu kommen. Will heissen: Manchmal braucht es auch für die Dinge, die ihr liebt, Überwindung.

4) Killt eure „Babys“

Könnt ihr euch an die Zeit erinnern, als ihr euch für das eine Ziel im Leben entscheiden musstet? Für den einen Beruf, für die eine Karriere? Wir werden oft in eine bestimmte Richtung gepusht, gezerrt oder gezogen. Wir machen das mit, obwohl wir uns nicht zu 100% darin wiederfinden. Wir haben das Gefühl, dass andere besser wissen, was unser Weg sein soll. Wir hinterfragen nicht, ob es sich richtig anfühlt, diesen Beruf oder diese Ausbildung zu machen. Wir funktionieren. „Mach das, zieh es einfach durch“, sagen wir uns selbst und hören es von anderen genau so. Aber genau das ist der Punkt. Weil wir uns auf nur etwas beschränken, auf nur einen Beruf, auf eine Ausbildung, fehlt uns am Ende etwas. Wir sind nicht für die eine Aufgabe gemacht. Da gehört mehr dazu. Es schränkt uns in unseren Träumen ein und hält uns davon ab zu erreichen, wofür wir bestimmt worden sind. Lasst mich hier ein weiteres Beispiel machen: Ich studiere heute Multimedia Production und arbeite als Journalistin. Ich mache beides davon gerne. ABER nichts davon hat viel damit zu tun, was ich als meine Passion ansehe. Ich habe gelernt, meine Ausbildung und meinen Job von meinen weiteren Zielen im Leben zu abstrahieren. Sie sind meine Bestimmung, dafür brenne ich. Eure Bestimmung muss nicht zwingend das sein, womit ihr euer Geld verdient. Natürlich ist das erstrebenswert. Aber das sollte nie im Vordergrund stehen. Vor allem nicht, solange man noch immer nach der eigenen Passion und Erfüllung sucht.

5) Schaut zurück

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Ich mag dieses Zitat nicht sonderlich aber trotzdem passt es an dieser Stelle ganz gut. Indem wir schauen, was war, lernen wir zu reflektieren, wie wir daran gewachsen sind. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen und hat Dinge durchlebt, die man zu gerne vergessen würde. Aber traut euch ruhig, euch daran zu erinnern. Denn oft passiert es, dass wir genau dadurch finden, was unsere Passion ist. Es ist doch gut möglich, dass wir durch unsere Erfahrungen einen Teil weiter geben können an andere Menschen. Wieso soll nicht jemand von euren Fehlern profitieren? Manchmal hilft es, zurückzuschauen und dadurch herauszufinden, in welche Richtung die persönliche Bestimmung gehen könnte.

Jetzt seid ihr dran. Wie habt ihr für euch herausgefunden, was eure Passion und euer Lebensinhalt ist? Oder seid ihr noch ganz am Anfang? Helfen euch diese Tipps und/oder habt ihr eigene, die ihr hier teilen könnt?

Erstrebenswert für mich ist es im Leben, Menschen dazu zu inspirieren, gesünder zu leben. Ich will anderen Leuten dabei helfen, besser zu essen, überlegter einzukaufen und weniger zu konsumieren. Mein Ziel ist es, mich dabei mit Menschen zu vernetzen, die so oder ähnlich denken wie ich es tue. Ich will in Frieden Leben und in Herzensbeziehungen investieren für die es sich lohnt, Zeit zu investieren. Ich will da draussen mit meinen Worten ein Publikum erreichen, das mich so schätzt, wie ich bin. Gleichzeitig möchte ich auch ich durch dieses Publikum lernen. Es soll nicht nur ein Geben sein, sondern ein gegenseitiger Austausch. Niemand von uns ist allwissend, wir können nur voneinander Tipps annehmen und durch die Erfahrungen von anderen stärker werden. Keiner von uns ist dadurch perfekter oder besser. Jeder verdient es, akzeptiert und geliebt zu werden. Jeder.

 



2 thoughts on “Das Streben nach Passion und Bestimmung im Leben”

    • Liebe Florentine. Schön, dich hier zu sehen. Vielen lieben Dank für dein Feedback! Der Beitrag liegt mir persönlich echt am Herzen, ich habe da viel von mir reingesteckt. Alles Liebe und ein ganz tolles WE. Love back to you! <3

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