Warum bin ich Veganerin? Meine Geschichte

Warum bin ich Veganerin? Meine Geschichte

Kochen hat mich schon immer fasziniert. Bereits als kleines Mädchen schob mir mein Papa jeweils einen Stuhl zum Herd, sodass ich den besten Blick auf das Geschehen in der Küche hatte. Fasziniert schaute ich ihm zu, wie er Gemüse aus dem Garten rüstete, Reis kochte und Fleisch in der Pfanne wendete. Richtig gelesen, meine Eltern waren und sind keine Vegetarier, geschweige denn Veganer. Umso erstaunlicher ist es, dass ich mit nur drei Jahren die Entscheidung traf, dass ich keine Tiere mehr esse. Wenn ich das heute erzähle, kann mir das fast niemand glauben, aber es war tatsächlich so.

Ich war ein neugieriges Kind und löcherte meinen Vater nur zu gerne mit Fragen. So kam es, dass ich eines Abends beim Zubereiten des Essens die Packung mit dem Rindfleisch genauer begutachtete. Mit meinen kleinen Patschhänden griff ich nach dem Plastik, in dem das Fleisch eingeschweisst war und schaute meinen Papa mit grossen Augen an. „Warum ist da eine Kuh?“, fragte ich ihn und tippte auf die Abbildung eines Kuhkopfs, die die Verpackung zierte und sie nachweislich als Rindfleisch deklarierte. Aus Erzählungen meines Vaters weiss ich, dass er kurz zögerte, dann aber sagte: „Weil das eine Kuh ist. Wir essen sie.“ Und ich? Ich brach in Tränen aus. Das wolle ich nicht mehr essen, nie mehr. Ob wir denn noch mehr Tiere essen würde, wollte ich wissen. Und mein Papa antwortet mir ehrlich, er nickte.

Bloss eine kindliche Phase?

Meine Eltern dachten natürlich, das sei bloss eine kindliche Phase, die nicht lange anhalten würde. Sie waren überzeugt, dass ich bald wieder Fleisch essen würde. Doch daraus wurde nichts. Nie wieder ass ich auch nur ein Stück Bratwurst, eine Scheibe Salami oder Spaghetti mit Hackfleisch. Meine Eltern respektierten meine Entscheidung. Vor allem mein Papa, der bei uns zuhause für das Kochen zuständig war, gab sich alle Mühe, ausgewogen und gesund für mich zu kochen. Weiterhin stand ich mit ihm am Herd, lugte in all die Töpfe, kostete und stiess ein „Bä“ aus, sobald mir aus einem der köchelnden Behälter ein Fleischgeruch in die Nase stieg.

Vegan wurde ich tatsächlich erst viele Jahre später. Um genau zu sein, im Juli 2016. Das ist noch weniger lang her, als ich meinen veganen Foodblog auf Instagram betreibe. Bei mir war es nämlich nicht so, dass ich von heute auf morgen auf Milchprodukte verzichtete. Es war ein langer Prozess, der ganze zwei Jahre dauerte. Den Entschluss, dass ich irgendwann vegan leben möchte, fasste ich nämlich schon viel früher. Doch ich brauchte diese Zeit, mir Dinge abzugewöhnen, mich selbst umzuerziehen, mich zu informieren. Ich wollte verstehen und trotzdem nichts missen. Es war mir wichtig, meinen Körper weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen zu können. Und erst, als ich mir wirklich sicher war, dass ich in all diesen Punkten mit mir einig war, hat es geklappt. Ich konnte endlich vegan leben.

Am schwersten fiel es mir, meinen damals heiss geliebten Quark aufzugeben. Heute ist mir das unerklärlich. Die veganen Quarkalternativen schmecken so viel mal cremiger, aber eben… Das erste, auf was ich komplett verzichtet habe, war Milch. Davon bekam ich sowieso immer Bauchschmerzen und auch den Geschmack mochte ich pur nie sonderlich gerne. Erstaunlicherweise war es auch beim Käse nicht allzu schwierig, obwohl ich früher bestimmt jeden Tag ein Stück davon gegessen habe. Viel schwieriger war es, herauszufinden, wo überall versteckte tierische Produkte drin steckten. Milcheiweisspulver – das war mein neu erklärteter Feind. Doch als diese Hürde erst einmal überwunden war und ich nur den Quark als „Laster“ hatte, fühlte ich mich bereit. Drei Wochen Asienurlaub standen bevor und ich wusste: Das ist der perfekte Zeitpunkt, um zu starten. Denn in asiatischen Ländern bekommt man so gut wie eh keine Lebensmittel vorgesetzt, die Milch enthalten. Und so wurde dieser Urlaub zu einem Start in ein neues Leben. Okay, das klingt kitschig. Aber irgendwie fühlte es sich fast so an.

Das Leben mit Label

Ich weiss, viele Menschen halten nichts von Labels. Ob jetzt Vegetarier, Flexitarier, Veganer, Paleo oder was weiss ich, was es da noch so gibt. Diese Haltung kann ich gut verstehen. Schliesslich soll der nachhaltige Konsum im Vordergrund stehen. Ins Gewicht fällt, was wir täglich zuhause zu uns nehmen, was wir einkaufen, wo wir das tun und wie oft. Aber ich für mich persönlich muss sagen, dass ich sehr strikt geworden bin. Ich kann nicht auswärts vegetarisch essen und zuhause rein pflanzlich. Ich möchte nicht zu meinem Geburtstag doch mal noch ein Fondue essen und dann die nächsten sieben Tage wieder ganz strikt sein. Für mich war die Entscheidung, vegan zu leben, eine ganzheitliche. Und wenn man so will eine ziemlich strenge.

Warum das so ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Wahrscheinlich habe ich mich zu gut informiert. In jener Zeit, in der mich dazu entschlossen habe von vegetarisch auf vegan umzustellen, habe ich so ungefährt jede Dokumentation, jeden Artikel und jede Studie gelesen, die nur irgendwie zugänglich war. Ich habe mich nicht mehr geschont oder die Augen vor Dingen versperrt, die mir eigentlich tief im Innern sowie schon bewusst waren. Innerlich schrie ich auf, wenn ich Bilder von Kühen mit entzündeten Eutern über den Bildschirm flackerten. Ekel stieg in mir auf, wenn ich mich mit der industriellen Milchverarbeitung konfrontierte. Und immer waren da diese Schuldgefühle. Ein Leben lang war ich Vegetarierin und doch habe ich indirekt die Fleischindustrie unterstützt. Je mehr mir das bewusst wurde, umso schlechter fühlte ich mich.

Ich glaube, dass all das, was ich im obigen Abschnitt beschrieben habe, Auslöser war. Auslöser für die Entscheidung ein komplett veganes Leben zu führen. Das fängt beim Essen an, geht bei Kosmetikartikeln weiter und endet darin, dass ich heute mein bestes gebe, nur noch fair produzierte und vegane Mode zu kaufen.

Vegan zu sein bedeutet für mich mehr, als nur auf Milch- und Fleischerzeugnisse zu verzichten. Und überhaupt: Verzicht ist hier das falsche Wort. Tatsächlich kann ich heute klar sagen, dass ich so vielseitig noch nie zuvor gegessen habe. Ich experimentiere viel mehr mit frischen Lebensmitteln. Ich koche noch mehr als früher, noch frischer. Und so fühle ich mich auch. Noch nie habe ich mich in meinem Körper so wohl gefühlt, wie ich es tue, seitdem ich vegan lebe.

Konstantes Gewicht durch Pflanzenkost

Ich möchte diesen Blogpost nicht zu einem Beitrag werden lassen, in dem ich beschreibe, was sich durch die Umstellung zum veganen Leben alles verbessert hat. Und doch gehört es irgendwie dazu. Da sind einerseits die körperlichen Faktoren. Mein Gewicht ist konstant, egal ob ich einmal mehr oder weniger esse. Es ist nicht so, dass ich Gewicht verlieren wollte, ich war immer schlank. Aber ich muss sagen, dass ich weniger Schwankungen bemerke. Ihr kennt das bestimmt: Man wiegt mal mehr, mal weniger. Seitdem ich aber vegan esse, hat sich das echt gut eingependelt. Es fällt nicht gross ins Gewicht, wenn ich mal über die Stränge schlage. Natürlich kann man auch vegan ziemlich ungesund essen. Da ich selbst aber eine sehr ausgewogene Ernährung habe – sprich nur vollwertige Lebensmittel esse – kann ich grössere Portionen verputzen, als ich das zuvor gekonnt hätte. Das ist ja auch kein Wunder. Wer viel Gemüse und Früchte mit komplexen Kohlenhydraten, pflanzlichen Eiweissen und gesunden Fetten kombiniert, kann nicht viel falsch machen.

Fleischessende Umweltschützer gibt es nicht

Ein weiterer und nicht weniger wichtiger Aspekt ist für mich der Umweltgedanke. Ich bin nicht nur vegan geworden aufgrund des Tierleids oder der Gesundheit. Wer pflanzenbasiert isst, schadet unserem Planeten weniger. So viel weniger, dass ich hier an dieser Stelle ein paar Zahlen und Fakten auf den Tisch bringen muss. Denn ich sage immer: Es gibt Menschen, die damit klar kommen, dass Tiere geqäult werden (auch wenn das für mich unvorstellbar ist). Aber die gibt es. Es gibt Leute, die ohne Mühe ein Tier schlachten, ihm die Augen schauen können und das Steak trotzdem noch geniessen. Bei solchen Menschen kommt man nicht weit, wenn man seinen Veganismus darin begründet, die Tiere schützen zu wollen. Und das muss man akzeptieren. Das musste auch ich lernen, auch wenn es nicht einfach ist. Wovor aber auch diese Leute die Augen nicht verschliessen können: Fleisch ist schlichtweg ein Umweltkiller! Es gibt keine fleischessenden Umweltschützer. Die Tierwirtschaft, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist in hohem Maße für den Klimawandel verantwortlich. Je nach Studie werden ihr bis zu 51 Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgase zugeschrieben. Für die folgenden Zahlen zitiere ich die offizielle Seite von Peta:

„Alleine in Südamerika wurden in vier Jahrzehnten 40 Prozent des Regenwaldes für Weideflächen und Futtermittel abgeholzt. Im Amazonasgebiet wurden bereits 70 Prozent der vormals bewaldeten Flächen zerstört, um Futtermittel für die Tierwirtschaft anzupflanzen. Hauptsächlich wird dort Soja angebaut. Über 90 Prozent des weltweit angebauten Sojas und über 50 Prozent aller Ernten werden als Futtermittel genutzt.“

Vorwürfe bringen nichts

So. Und jetzt soll noch einer sagen, dass er Fleisch mit gutem Gewissen essen kann. Ich finde, vor allem beim ökologischen Aspekt hört es auf. Da muss doch die Glocke klingeln. Ich weiss, das tut sie nicht bei jedem. In den Jahren habe ich gelernt, diesen Menschen nicht böse zu sein. Sie sind noch nicht zu weit. Es bringt nichts, ihnen vorzuwerfen, deswegen schlechter zu sein. Ich gehe ihnen lieber als gutes Beispiel voran, koche für sie vegan und überzeuge sie mit allen positiven Aspekten davon, dass es durchaus Sinn macht, kein Fleisch (und keine Milchprodukte) mehr zu konsumieren. Damit fahre ich übrigens nicht schlecht. Mein Freund, mit dem ich jetzt 2,5 Jahre zusammen bin, isst kein Fleisch mehr. Statt Milch nimmt er heute Reisdrink für sein Müesli. Und nach dem Sport haut er sich zwei Teelöffel veganes Proteinpulver in den Shaker – obwohl das Zeugs echt grässlich schmeckt, wie ich selbst zugeben muss! 😉

Vernetzt euch mit Gleichgesinnten!

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag ja total strukturiert angehen und euch schön Schritt für Schritt auflisten, warum ich Veganerin bin. Doch das geht nicht. Dieses Thema ist für mich nach wie vor sehr emotional. Ich merke, wie wichtig es mir ist, positiv darüber zu berichten. Sei es, indem ich mit euch leckere Rezepte teile oder dadurch, dass ich Texte wie diese verfasse. Ein ganz wichtiger Punkt ist nämlich auch noch der Folgende. Ich habe über die vegane Community, vor allem jene auf Instagram, viele wahnsinnig tolle Menschen kennenlernen dürfen. Menschen, mit denen ich auf Anhieb auf einer Wellenlänge war. Es ist nicht so, dass meine Freunde alle vegan leben müssen. Ganz und gar nicht. Dann müsste ich ja alle langjährigen Beziehungen aufgeben. Aber genau so schön ist es, neue Bekanntschaften schliessen zu können mit Gleichgesinnten. Mit Menschen, die dich verstehen, zu denen man sofort „den Draht“ hat. Wenn ihr das jetzt liest und euch ebenfalls wünscht, euch mehr mit Gleichgesinnten auszutauschen, dann zögert nicht. Vernetzt euch, trefft euch auf einen Kaffee und plaudert. Nicht nur übers Vegan leben, nein. Über Gott und die Welt.

Das ist ein guter Punkt um anzuknüpfen: Lasst mir doch auch gerne hier unter diesem Blogpost eure Meinung da. Seid ihr vegan? Und was denkt ihr zu diesen Labels? Lebt ihr damit oder lässt ihr euch nicht in eine Schublade drücken? Das würde mich mal sehr interessieren. Ausserdem habe ich darüber nachgedacht, eine kürzere Form dieses Blogposts zu verfassen. Im Sinne von: 10 Gründe, vegan zu leben oder 10 Vorteile, vegan zu werden. Würde euch das interessieren? Ich bin gespannt auf euer Feedback.

Alles Liebe, Anina



2 thoughts on “Warum bin ich Veganerin? Meine Geschichte”

  • Wahnsinn…. einfach nur stark! Als vierjährige schon angefangen kein Fleisch zu essen und das durchgezogen bis heute.. unglaublich! All die Verlockungen/ Geburtstage/ Ereignisse haben dich “kalt” gelassen mit dem Angebot an Fleischhaltigen Lebensmitteln. Ich bin schwer beeindruckt. Und ich dachte echt, dass du dich schon länger vegan ernährst… Wie schön, das alles zu erfahren und hinter die “Kulissen” gucken zu dürfen. Das ist immer etwas ganz besonderes….
    alles Liebe, Antonia

    • Liebe Antonia. Danke für deine lieben Worte. Irgendwie hatte ich tatsächlich nie das Verlangen, es auch nur zu probieren. Ich erinnere mich, dass meine Mama mal aus Versehen Frühlingsrollen mit Hühnchen gemacht hat und ich davon gegessen habe. Sobald ich das wusste hab ich mich übergeben und ziemlich lange geweint, ich fühlte mich so schuldig. Das denken übrigens viele, aber es hat tatsächlich länger gedauert! 🙂 <3

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