Warum ich (fast) keine Avocado mehr esse

Warum ich (fast) keine Avocado mehr esse

Read this post in: English (Englisch)

Fleisch essen ist eine der grössten Umweltsünden überhaupt. Aber wahrscheinlich muss ich an dieser Stelle keine Moralpredigt halten. Ich gehe davon aus, dass meine Leser tendenziell eher vegetarisch/vegan leben oder sich zumindest kritisch mit der Thematik auseinander gesetzt haben. Trotzdem, hier noch kurz die nackte Zahl:  Die Massentierhaltung ist für ganze 15 Prozent der Klimagasemissionen verantwortlich. Das ist im Übrigen mehr als alle Flugzeuge, Autos und Züge zusammen. Und wusstet ihr, dass 70 Prozent des weltweiten Frischwasserverbrauchs für die Fleischproduktion verbraucht wird?

Was sind klimafreundliche Lebensmittel?

Wir sollten also vor allem bei unserer Ernährung beginnen, wenn wir unserer Erde etwas Gutes tun wollen. Klimafreundliche Lebensmittel, das ist ein Wort, welches derzeit in aller Munde ist. Doch was heisst das eigentlich, klimafreundlich? Was darf denn nun auf den Teller und was gehört verbannt? Dieser Frage soll mein Blogpost heute nachgehen. In den Mittelpunkt stelle ich dabei die Avocado. Das liegt nicht nur daran, dass wir die besonders lieben und gerade im Übermass konsumieren. Nein. Das rührt vor allem daher, dass mit dieser Frucht eine Geschichte einhergeht, die alles andere als schön cremig ist.

Die unersättliche Trinkerin

Um es gleich vorweg zu nehmen: Avocados gehören nicht zu den Lebensmitteln, die mit gutem Gewissen in Massen gegessen werden sollten. Ihr habt es geahnt oder? Und trotzdem landen sie bei vielen Menschen ebenfalls fast täglich auf dem Brot. Auf Instagram ist ein regelrechter Avo-Hype ausgebrochen (man erinnere sich an dieser Stelle an die vielen Pixelavocados, die Avocado-Rosen, die in Herzchen und Sterchen ausgestochenen Exemplare, usw.). Und obwohl ihr das wahrscheinlich gar nicht wissen wollt: Für den Avocadoanbau Pinienwälder abgeholzt, künstliche Dünger und Pestizide verspritzt. Und ebenfalls wird dafür viel Wasser verschwendet: 540 Liter Wasser für ein Kilo Avocado. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten kommt im globalen Durchschnitt mit etwa 180 Litern aus, ein Kilogramm Salat mit 130 Litern.

Inzwischen ist das Avocadogeschäft sogar derart lukrativ, dass kriminelle Machenschaften im Gange sind und die Bauern immer häufiger ausgebeutet werden. Sprich: Wer viel Avocado isst, schadet damit nicht nur der Umwelt sondern sogar noch Menschen. Dass überhaupt so viele Avocados zu uns nach Europa exportiert werden, ist auch nur möglich, weil in der südafrikanischen und südamerikanischen Landwirtschaft unter sehr ungleichen Bedingungen produziert wird. Soweit so gut. Heisst das jetzt, dass man sich gar keine der cremigsten aller Früchte mehr kaufen darf?

Die Avocado als Symbol der gesunden Ernährung

Ich finde, es kommt wie überall im Leben auf das Mass an. Avocados sind keines der Lebensmittel, die man sich als Grundstock im Einkauf jeden Tag gönnen sollte. Aber eigentlich sollte die Frage auch viel mehr lauten: Wann werden die Verbraucher (also wir) in den Industrienationen merken, dass sie eine ökologisch fragwürdige Frucht zum Symbol für gesunde Ernährung gemacht haben?

In Mexiko werden jedes Jahr bis zu 4.000 Hektar Wald illegal gerodet, um Avocadoplantagen anzulegen. Für die Landwirtschaft werden 80 Prozent des Trinkwassers verbraucht, und das Wasser ist dort eh schon ein knappes Gut. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass alleine die Avocados die Hälfte davon schlucken. Dass man die Umwelt aktiv bewahren muss, wenn die nach uns kommenden Generationen noch auf der Erde (über)leben möchten, das ist uns alles klar. Und diese Einsicht vermag sich auch immer mehr durchzusetzen. Supermärkte verbieten Plastiksäcke.  Sogar Studenten-WGs kümmern sich drum, ihren Müll zu trennen. Man kauft konsequenter bio. Trotzdem ist diese eine exotische Frucht, die Avocado, beliebter als je zuvor. Wer sie nicht mag, ist scheinbar nicht im Jahre 2017 angekommen.

Alles aufgrund des Diäten-Hypes?

Wann der Hype um die Avocado tatsächlich begonnen hat, ist heute nur noch schwer auszumachen. Dass sich aber sogar Wissenschaftler mit dieser Frage beschäftigen, zeigt, wie gross das Problem tatsächlich sein könnte. Einige von ihnen sagen, dass der Frucht mit einem Fettanteil wie Milchschokolade, der Aufstieg in den Markt durch die Umstellung der Diäten in Europas gelungen ist. Inzwischen ist man mehrheitlich weg gekommen von all den Low-Fat Diäten und Produkten. Fett wird nicht mehr so verteufelt, wie das im letzten Jahrhundert noch der Fall war. Im Gegenteil: Heute wird betont, wie gesund es sei, ungesättigte Fettsäuren aufzunehmen. Diese sind sowohl in Nüssen aber eben auch in Avocados vorhanden. Dieser kleine Exkurs in die Wissenschaft und die Erklärung des Hypes um die Avocado soll an dieser Stelle aber reichen. Denn viel mehr soll sich dieser Blogpost mit der Frage der Nachhaltigkeit beschäftigen. Zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten liegen nämlich Welten. Die Umwelt schützen, das will jeder. Sich einschränken aber keiner. Kennt ihr das? Ich schon.

Gerade mit den immer mehr werdenden Veganern – was ja eine Bewegung ist, die ich nur begrüsse – ist auch ein Lifestyle entstanden, der sich mit Umweltliebe total identifiziert. Wenn wir aber genauer hinschauen, so habe ich das Gefühl, beschäftigt sich nur ein kleiner Teil dieser Menschen mit der Frage, woher unsere Lebensmittel kommen. Und wisst ihr was? Ich verstehe das total, denn auch ich muss mich da immer wieder an der Nase nehmen. Die exotischen Früchte sehen ja auch zu verlockend aus, wenn sie sich uns so schön glänzend im Supermarkt präsentieren. Würde man nämlich wirklich soweit gehen wollten und nur noch umweltschonend essen, dann müsste man die Avocado gänzlich von Speiseplan streichen. Und bevor jetzt jemand kommt und sagt, seine Früchte seien nur biologisch angebaut: Selbst eine Bio-Avocado ist eine weit gereiste Frucht, die auf ihrem Weg unersättlich trinkt.

Good News – oder doch nicht?

Nun habe ich die Avocado verteufelt. Ich habe euch den Appetit darauf genommen oder ihn (ich hoffe es) zumindest zügeln können. Und jetzt werdet ihr wahrscheinlich alle meine Rezepte durchforsten und hoffen, dass ihr da Avocado findet. Und wisst ihr was? Das werdet ihr. Denn auch ich bin nur ein Mensch. Genauer genommen, eine Veganerin, die auf eben diesen Hype auch aufgestiegen ist und sich öfters einmal eine dieser Früchte gegönnt hat. Aber lasst mich dazu auch sagen: Seitdem ich mich informiert habe und weiss, dass auf der anderen Seite der Welt für meine Genuss Menschen und Umwelt leiden, kann ich sie nicht mehr so geniessen. Deswegen gibt es Avocado immer seltener bei mir zu finden. Und wenn ich eine kaufe, dann nur noch aus Spanien. Das sind nämlich wohl die einzigen Good News an diesem Beitrag. Dort werden nun auch Avocados produziert. Leider aber noch zu wenige. Europa verbraucht nämlich zwischen 400.000 und 500.000 Tonnen Avocados pro Jahr, von denen nur 10 Prozent spanischer Abstammung sind.

Mein Tipp an euch: Schaut in Zukunft doch zwei Mal, woher eure Früchte kommen. Und überlegt, auch wenn sie noch so schön aussehen, welches Unheil sie wohl mit sich bringen könnten. Dann könnt ihr nämlich auch wieder bewusster geniessen.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .